Knowledge is the Beginning – Wissen ist der Anfgang – Daniel Barenboims Ost-West Diwan

Knowledge is the Beginning – Wissen ist der Anfgang– Im Rahmen der New Yorker Auftritte des Ost-West Diwan-Orchesters unter Daniel Barenboim, wird der Dokumentarfilm gezeigt und diskutiert. (freier Eintritt im ‘Symphony Space’ am Sonntag, dem 27. Januar, mit anschließender Frage- und Antwort- Session).

Wissen ist der Anfang, der mitreißende, Emmy-preisgekrönte Dokumentarfilm von Paul Smaczny, der im Jahre 2005 für ‘Euro Arts Music’ herauskam, wirft einen genauen Blick auf die visionäre gemeinsame Unternehmung zweier kreativer Kräfte: die des Palästinensers Edward Said und des Israelis Daniel Barenboim, die es schafften, ein außerordentliches Beispiel zu geben und damit die Macht der Musik über die Politik sichtbar machten. Der Film dokumentiert die Gründung des Ost-West Diwan-Orchesters im Jahre 1999 in Weimar, deren Ziel es war, Musiker aus Israel, Palästina, Syrien, dem Libanon, Jordanien und Ägypten wie auch internationale Gastkünstler und Pädagogen angesichts und trotz politischer Zwietracht im Nahen Osten zusammenzubringen. Nach der deutschen Wiedervereinigung war die Stadt Weimar darauf aus, ihre einstige, glorreiche, musikalische Vergangenheit zurückzubringen und Barenboim versuchte, mit seinem an die Öffentlichkeit gerichteten Musikprojekt, einen wirklichen Unterschied auszumachen. Das Orchester erschien als eine Möglichkeit, die Ziele beider Seiten zu erreichen. Die alles überwindende Menschlichkeit in den Dialogen zwischen den jungen Musikern, die sich ergibt, wenn sie lernen und zusammen auftreten, beseitigt die bestehenden Bedenken und Vorurteile, denen sie gegenüberstehen und die sie als Individuen bewältigen müssen. Gesten, wie sich einen Notenständer zu teilen, das musikalische Können eines jeden zu würdigen und sich ganz einfach auf persönlicher Ebene kennenzulernen, sind kleine, aber dennoch wichtige Bausteine. Barenboim hat für dieses Ergebnis eine logische Erklärung bereit: Die Zeit, die man mit Musik verbringt, ist eine Zeit, die weniger für extremistische Ideen verwandt werden kann.” Sich gegenseitig kennenzulernen scheint in der Tat ein vielversprechender Beginn eines wirklichen Perspektivenwechsels. Der Film findet ein ausgewogenes Verhältnis, sich eingehend mit den inneren sozio-politischen Konflikten, um die es geht, zu beschäftigen und über Proben und Konzerte, die Smaczny behandelt hinweg, den Prozess des Musikmachens darzustellen. Musikprogramme, die sich auch an die in Israel lebende arabische Bevölkerung wenden, hat es seit Jahren gegeben, unterstützt von besonderen Konzerttouren in vorwiegend arabischen Gegenden und gesponsert vom Israelischen Philharmonischen Orchester. Keine dieser Bemühungen hat jedoch die Bedeutung und Resonanz gehabt, wie es das Ost-West Diwan-Orchester in der Öffentlichkeit hatte; das Orchester bietet seinen Musikern eine eigene Realität, der man schwerlich in seiner Gradlinigkeit widerstehen kann. Ohne irgendwelche besonderen politischen Ambitionen zu haben und dennoch mit dem Wagnis nicht ‘politisch korrekt’ zu sein, gelang es den führenden Persönlichkeiten auf beiden Seiten, mit dem Ost-West Diwan eine einzigartig sichere Umgebung zu schaffen, die Eintracht und gegenseitiges Verständnis innerhalb der Gruppe seiner Musiker fördert. Wie der Film wirksam vermittelt, ist Barenboims Aufmerksamkeit auf das Detail und seine außergewöhnliche Gabe, das Beste aus jedem Musiker herauszuholen, inspirierend und signalisiert sein Enagement, dieses Kooperationsprojekt auf die nächst höhere Ebene zu bringen. Der Film knüpft an Barenboims Bereitschaft an, jeglich mögliche Plattform zu einer Äußerung für seine Sache in Anspruch zu nehmen, selbst das Podium, das ihm aus Anlass seiner Dankesrede für den ‘Wolf Prize for the Arts’ zur Verfügung gestellt wurde, den er in der Knesset, dem israelischen Parlament erhielt. Barenboims kritische Betrachtung israelischer Politik ist kein Geheimnis und unter den Musikern und den Interviewten wird im Film der palästinensische Standpunkt gut vertreten. Was im Film fehlt – und was vielleicht auch in Barenboims eigener Wahrnehmung vielleicht etwas zu kurz kommt, ist ein entsprechendes Verständnis des israelischen Seelenzustandes. Im Film findet die israelische Sichtweise des Konfliktes explizit nur durch eine junge Musikerin Gehör und Erklärung, die ihre Frustration und Hilflosigkeit angesichts der palästinensischen Terrorattacken zum Ausdruck bringt, denen sie sich auf täglicher Basis ausgesetzt sieht. Wie der Film beschreibt, ist das Passieren israelischer Grenzen für Palästinenser beschwerlich geworden, aber bis heute haben palästinensische Führungsgruppen noch nicht einmal die Existenz Israels akzeptiert. Wegen dieser turbulenten Umstände mussten die Orchestermitglieder besondere Diplomatenpässe bekommen, um zu ihren Auftritten separat anzureisen und die Gruppe musste ihre Reiserouten aufteilen: Nicht-Araber reisen über Israel ein, während Araber über arabische Länder einreisen. Angesichts all dieser Hindernisse war das einzigartige erste Konzert des Orchesters, das im Jahre 2005 in Ramallah, einer palästinensischen Stadt im Westjordanland ungefähr 10 km außerhalb von Jerusalem stattfand, eine bemerkenswerte Errungenschaft, ein symbolischer Erfolg dessen, was alles unter den Regeln der Annährung dieses bravourösen Dirigenten möglich ist. Barenboim wurde für seine Arbeit mit dem Ost-West Diwan-Orchester, das weiterhin international auftritt, zum Friedensbotschafter der Vereinten Nationen ernannt. Im Andenken an Edward Said, der im Jahre 2003 verstarb, hat Barenboim in jüngster Zeit Pläne angekündigt, im Jahre 2015 die Barenboim-Said Akademie zu gründen, die im Rahmen einer über das ganze Jahr bestehenden Einrichtung für junge Musiker aus dem Nahen Osten den Geist des West-Östlichen Diwan-Orchesters weiterfortsetzen wird. Barenboim plant die nach ihm und Said benannte Einrichtung in Berlin direkt neben der Staatsoper zu bauen. Das Gebäude wird eine neue, von Frank Gehry entworfene Konzerthalle besitzen. Ilona Oltuski

Schlacht der Klaviere – Andreas Kern versus Paul Cibis – Piano Battle

Vor und während des Duells zeigt man was man drauf hat. Fotos: Matthias Bothor

Der Virtuose des 19. Jahrhunderts kannte die Idee, sein Können unter Beweis zu stellen.

Thalberg/Liszt sind vielleicht historisch gesehen, das bekannteste Beispiel dafür, so ein Duel Angesicht zu Angesicht auszutragen – von Keyboard zu Keyboard.

Die deutschen Pianisten Andreas Kern und Paul Cibis liefern sich ihre eigene Schlacht am Klavier und bringen beide dem Publikum einen erstaunlichen Unterhaltungswert entsprechend ihres gewaltigen Wettbewerbstalents, indem sie ihre haarspalterische Virtuosität demonstrieren.

Nun sind sie bereit, hier nicht auf Nummer Sicher zu gehen alles zu wagen; Kern und Cibis bringen ihr neuartiges Konzertkonzept zum ersten Mal in die Vereinigten Staaten. Einer Einladung vom Goethe-Institut folgend, werden sie am 18. Januar in der Österreichischen Botschaft in Washington auftreten.

 

Obwohl keiner der beiden klassisch ausgebildeten Pianisten große Fans der traditionellen Klavier-Wettbewerbe sind, begann Kerns Suche nach unterschiedlichen Wegen, Klaviermusik auf die Bühne zu bringen, bereits lange Zeit vor der Klavierschlacht. Er hatte schon immer nach einem intensiven gemeinschaftlichen Erlebniss-Effekt zwischen dem Publikum und dem, was auf der Bühne passiert, Ausschau gehalten.  Er genoß es, in seine frühen Konzerten verbale, erklärende Passagen einzufügen, da er zur Kenntnis nahm, dass sich das Publikum wohler fühlte, wenn es etwas lernte, wodurch es sich dem Auftrittskünstler und dem Gepielten verbundener fühlen konnte, statt sich formal allein auf das gedruckte Programm zu verlassen. “Selbst die Art wie diese Programme normalerweise aufgebaut sind, setzt eine gewisse Kenntnis der musikalischen Materie voraus – oder zumindestens mit den Namen, die in den Biografien fallen, was eine recht abschätzige Wirkung auf den Laien hervorrufen kann,“ bemerkt Kern, als wir drei uns in New York treffen.

Nachdem er mit einem Praktikum bei der Berliner Rundfunkanstalt RBB (Rundfunk Berlin-Brandenburg) einen Abstecher in die Welt des Fernsehens gemacht hatte, folgte er seinen anfänglichen Instinkten und nahm einen weiteren Schritt aus den vorgefertigten Mustern auszubrechen und wurde der Mitbegründer und Co-Moderator von Berlins aufregender, genre-übergreifender Arte-Lounge, welche seitdem bisher dreißigmal ausgestrahlt wurde.

Sie hat inzwischen eine recht glänzende Auswahl klassischer Auftrittskünstler mit einem großem Spektrum an Darbietungen in verschiedenen Stilen vorgestellt. Das Ergebnis ist ein aufmerksamkeitserregender Mix eines Querschnitts der Musik, übertragen auf die nächtliche Club- und Bar-Szene, etwas, was traditionsgemäß nicht mit dem Klassikgenre in Verbindung gebracht wird. Live gefilmt, passen die jungen, unglaublich talentierten Auftrittskünstler, wie die Capuçon-Brüder, Daniel Hope, Sarah Chang, Avi Avital…recht gut zu der stilvollen Mischung von Auftrittskünstlern und Auftritten, die als Werbungsaushängeschild für das coole, klassische Programm der Arte-Lounge dienen, die auf dem deutsch- und französischsprachigen ARTE- Fernsehkanal gezeigt wird.

Das Talkshow Set Up bringt die Musikgäste in den Zusammenhang ihrer Auftritte und lässt das Publikum im gleichen Zug mit der Vertrautheit des TV-Formates eine Live-Aufnahme renommierter Stars miterleben.

Für Kern war Arte Lounge ein immenser  Lernprozess, von dem er nun bei der Klavierschlacht profitiert, indem er sich dem speziellen Mix aus hoher Kunst und Unterhaltung bewusst ist.

Das erste Mal, dass Cibis und Kern zusammen auftraten, war beim Musik Festival in Hongkong im Jahre 2009. Ihre Interaktion erwuchs spontan aus der Tatache, dass beider Auftritt, für den gleichen Zeitraum geplant war, sie ihn sich also tatsächlich aufteilen mussten. Dies brachte die Notwendigkeit auf, sich über das Programm und wie es zu präsentieren war, Gedanken zu machen. Statt ein traditionelles vierhändiges Konzert zu geben, improvisierten sie auf der Bühne und wechselten ihr klassisches Repertoire mit Pop und Jazz aus und ihre Sponatnität erwies sich beim Publikum als erfolgreich. Die Idee einer Klavierschlacht entstand auf der Stelle und es hat bereits mehrere ausverkaufte Tourneen für die Klavierschlacht in China, Hongkong und Taiwan gegeben. Ihrer Premiere in Deutschland beim Berliner Stadt-Klavierstadtkonzert von 2010, folgten in diesem Jahr Einladungen zum Beethoven Festival in Bonn und nach Schloss Elmau und es werden gewiss weitere in der nahen Zukunft folgen.

Das Programm – obwohl es nun auf der Planungsebene strukturierter und fortgeschrittener ist, “wir wissen, was wir zu tun haben, wenn sich ein Szenarium auftut oder ein anderes…” behält ihre Show einen wichtigen Aspekt dieser ursprünglichen Frische und ein Überraschungselement. Das Publikum wählt nach jeder Runde einen Gewinner und einen Verlierer aus, indem es eine schwarze oder eine weiße Karte hochhält, die ihm an der Eintrittstür gegeben wurden und mit dem weißen und dem schwarzen Anzug des jeweiligen Auftrittskünstlers übereinstimmen. In letzter Zeit haben sie das Anzünden eines Feuerzeuges hinzugefügt, um ein bißchen Markenpolitik beizugeben. “Das Gefühl, wenn ich verliere – nun ja,” sagt Kern mit einem provokativen Lächeln, “Paul hat sich daran gewöhnt! Aber ja, es gibt immer einen, der bei einer Sache besser ist und dennoch gibt es eine Balance. Wir gewinnen beide das eine oder das andere Mal. Ich habe es aber neulich eines Abends bemerkt, als Paul viele Fans für ihn hatte und einige Frauen ihm laut zujubelten. Letzendlich personifizieren wir die Persönlichkeiten, die wir wirklich sind. Paul ist ein größerer Träumer, der klassisch romantische Gentleman, der er nuneinmal ist; ich hingegen bin vielmehr ein rebellierender Punk am Klavier, aber wir parodieren nicht per se, wir sind nicht reine Komiker, obwohl wir Humor zum Klavierspielen bringen. Was Spaß macht, ist, dass wir den engen Rahmen des gewöhnlichen Bühnenerlebnisses weiter öffnen und ein weit gefächertes Programm spielen können. Wir lieben es, klassische Musik zu spielen und haben kein Problem, diese entsprechend den Wünschen des Publikums mit anderen Genres zu vermischen. Wir möchten die Botschaft der Offenheit rüberbringen, solange die Qualität stimmt  und dabei schließen wir sowohl das Programm als auch die Präsentation mit ein. Aber wir stellen Fragen und mögen es, nach Alternativen Ausschau zu halten, “ein Prinzip, an dem sowohl Kern als auch Cibis, auch beim Klavier unterrichten,  festhalten. “Am Ende geht es nicht darum, wer gewinnt, er oder ich.”

Natürlich, der wirkliche Gewinner wird hoffentlich das Publikum sein:  Nehmen Sie die Schlacht in Washington wahr oder sehen Sie sie auf YouTube

Hanna Arie-Gaifman – Kollaboratives vom ‘92 Street Y’

Hanna Arie-Gaifman vom 92 Y, © Joshua Bright Photography

Als Direktor des ‘Tisch Center for the Arts’ am ‘92nd Street Y, an dem sie die 92Y Konzertreihe und das ebenso von der Tisch Famile gestiftete ‘Unterberg Poetry Center’ betreut, gibt Hanna Arie-Gaifman ihrer tiefsitzenden Leidenschaft und Kenntnis von Literatur und Musik nach. “Ich kam im Jahre 2000 an das 92Y,“ teilt Gaifman an ihrem kleinen Schreibtisch sitzend mit, auf dem sich in ihrem Büro im 4. Stock des Y Akten, Mitteilungen und Kataloge stapeln. Das Gebäude, in dem sie arbeitet, nimmt einen Häuserblock an der Lexington Avenue zwischen der 92. und der 93. Strasse ein. “Indem es Vortrefflichkeit in Literatur und Musik präsentiert, handelt es sich um eine erstaunliche Kombination, von all dem, was ich liebe. Es verfügt über eine lange Geschichte und Tradition sich selbst treu zu sein und setzt die eigene Integrität mit einer ehrlichen Suche nach den sich ändernden Verantwortlichkeiten in der kommunalen Umgebung und Anhängerschaft fort und erfüllt damit ein echtes, gesellschaftliches Bedürfniss.”

Nachdem Gaifman an der Rubin Academy in Jerusalem studiert hatte, hätte sie selbst eine Karriere als Konzertmusikerin in Betracht ziehen können, tat es aber nicht, da sie glaubte, dass ihre Fähigkeiten ihr es erlaubten, in anderen Bereichen des musikalischen Feldes, Größeres leisten könne. Es ist genau diesesTalent, Ideen und Kulturen zusammenzubringen, die bei den vielen verschiedenen Rollen, die sie als Musikmoderatorin bekleidete, durchschimmerte – lange bevor sie ihren Einfluss am 92 Y bemerkbar machte.

Als Dekanin der Mozart Akademie in Prag, Direktor der künstlerischen Leitung und internationalen Beziehungen an der Tschechischen Philharmonie und Direktorin des jährlich stattfindenen Prager ‘Festival Musica Judaica’ von 1993-2000 zeigte Gaifman ihre Fähigkeit bezüglich internationaler Kooperation und Management wie auch ihr großes Talent, das kulturelle Leben der post-kommunistischen Tschechoslowakei zu bereichern.

“Es war mir möglich, einiges an Zusammenarbeit mit der westlichen Welt im Allgemeinen zu verändern und im Besonderen einige der Wahrnehmungen zu verändern, zum Beispiel was die Bedürfnisse von Auftrittskünstlern angeht– selbst heute ist die Tschechische Philharmonie eine der unterbezahltesten Orchester in der Welt,” erläutert sie. Als Direktorin war Gaifman in der Lage, einige Banken dafür zu gewinnen, zusätzliche Finanzmittel für die Philharmonie zu garantieren und es gelang ihr, auch den hervorragenden Dirigenten Vladimir Ashkenazy für das Orchester zu gewinnen.

“Meine Freunde haben die ‘Musica Judaica’ initiiert,” sagt Gaifman, deren Muttersprachen Tschechisch und Deutsch und dann Hebräisch waren, und es erschien mir sinnvoll, das Festival zu organisieren und zu leiten. Ich wurde sehr von dem neuen Geiste inspiriert, der durch alle kulturellen Institutionen rauschte, die zuvor bestanden hatten und nun neu organisiert wieder aufblühten.” Sie hatte schon immer einen Hang für die Synthese von der Allgemein- und der Musikkultur – aber auch einen großen Gefallen daran, jüdisches Kulturleben wiederzubeleben, von dem Prag solch eine besondere Hochburg war.

“Ich habe immer, seit ich in meinen Endzwanzigern war, Musik präsentiert, angefangen im Jahre 1975 mit dem Jerusalem Festival” erklärt Gaifman  (was im Jahre 1978 das Israel Festival wurde). Am 92Y Gaifman sieht sich als Teil von etwas, was dessen Gründer, deutsch-jüdische Unternehmer, die die “Hebräische Vereinigung junger Männer und Frauen” ins Leben riefen, sich in ihrer Bemähung um Spitzenqualität und einer aufrichtigen Sorge um den Zustand der Welt zum Ziel gesetzt hatten: “Wir hoffen Konzerte mit besonderem Inhalt vorzustellen oder Künstler, an die wir glauben, die nicht unbedingt auf den New Yorker Bühnen oft genug vorgestellt werden. Wir schauen uns verschiedene jüdische kulturelle Aspekte an und stellen eine Vielzahl von Themen innerhalb einer reichhaltigen Tradition von an Inhalten orientierten Programmen vor, die oft durch interdisziplinäre Kunstformen repräsentiert werden. Aber wir haben auch einfach großartige Auftrittskünstler, Meister auf ihrem Instrument, und … wir haben einen der Konzertsäle mit der besten Akustik in der Stadt New York, der für 917 aufmerksame, oft begeisterte Zuhörer Platz bietet.” Hanna Arie-Gaifman vom 92 Y © Joshua Bright Fotographie

Gaifmans Programme haben was sowohl die Auftritte als auch ihre Inhalte anbelangt, eine Reputation für Vortrefflichkeit. Eine ihrer Spezialitäten ist es, Programme zu entwerfen, die Genres in einen interdisziplinären Austausch verwandeln und zwar mit einer einzigartigen Neigung die Grenzen zwischen Literatur und Musik ineinander übergehen zu lassen – beides Gaifmans großen Leidenschaften.

Kombinierte Auftritte unter einem Dach in einer freundlichen und gemeinschaftsfördernden Umgebung wie dem Y helfen dabei, den Künsten wieder Bedeutung als Bausteine von Kultur und Gemeinschaft zu geben. Erfahrung, Weitblick und die Art von praktischer Begeisterung sind erforderlich, wenn sie eng mit ihren Künstlern zusammenarbeitet, um das außergewöhnliche Programm zu schaffen, das in ihrer klassischen Konzertreihe offenkundlich ist.

Gaifmans Expertise in beiden Bereichen, sowohl der in Literatur als auch in der Musik, ist eindrucksvoll. Sie erwarb in Russischer und Englischer Literatur Bachelor Abschlüsse von der Hebräischen Universität, einen Magister Abschluss in Slawischen Sprachen und Literatur von der Stanford Universität und einen Doktor in Vergleichender Literaturwissenschaft von der Hebräischen Universität. Sie hat an der ‘University of California’ in Berkeley und an der ‘New York University’ unterrichtet.

Gaifman benutzt oft ihre sprachliche – und soziale Kompetenz, indem sie mit dem Publikum in einen Dialog tritt, aber sie merkt an, dass ihre Fähigkeit, sich fließend auf Englisch, Deutsch, Französisch, Hebräisch, Tschechisch und Russisch zu unterhalten, eine unerlässliche Hilfe dabei gewesen ist, auf bedeutungsvolle Weise die verschiedenen internationalen Künstler zu verstehen, die sie einführt.

“Ich genieße es ganz außerordentlich, diese Programme mit einem wundervollen Team zu schaffen. Ich halte immer nach Künstlern Ausschau, die zusammenarbeiten und Ideen austauschen können. Die interessanteren Künstler haben vielleicht eine große Vision von dem, was sie schaffen wollen, aber es ist immer jede Menge Teamarbeit notwendig, wenn man am 92Y ein Programm präsentieren will. Wir haben unseren eigenen Eingaben und Vorstellungen und müssen gut miteinander kommunizieren können.” Sie fährt weiter fort, indem sie die Intimität des Planungs- und Auftritts- Prozesses beschreibt, die sie mit dem renommierten Tokio Streichquartett durchlief, das sich bald auflösen wird und am 92Y einen seiner letzten Auftritte am 26. Januar mit einem Programm geben wird, dass Lera Auerbachs Premiere von ‘Farewell’ beinhalten wird, das vom 92 Y in Auftrag  worden war. Das Quartett war für den Zeitraum von zehn Jahren am 92Y beheimatet. “Sie nannten mich ihr fünftes Mitglied, da ich immer soviel Input hatte, das Programm zu diskutieren,” lacht sie.

 

 

 

 

 

Foto: Hanna Arie-Gaifman und die Mitglieder des Tokio Streichquartetts, mit freundlicher Genehmigung des 92Y Lera Auerbach -F.Reinhold

Nun in ihrem 13. Jahr hat sich Gaifmans Programmarbeit für die klassische Musikreihe weg von der Potpourri-Behandlung der Musik hin zu zielgerichteteren Programmen fortbewegt, die individuelle Bedürfnisse befriedigen, wie die Konzentration auf bestimmte Auftragsvergaben der  Premieren neuer Werke, wie beim zuvor genannte Stück von Lea Auerbach. Ihre Voraussicht weitet sich mit expandierenden Möglichkeiten aus. Momentan empfindet Gaifman, dass mit der Genehmigung der Künstler die Aufnahmen, die zu Dokumentationszwecken von allen Auftritten am Y gemacht wurden, gut genutzt werden könnten, würden sie der Öffentlichkeit freigegeben  und zugänglich gemacht. Die letzte Aufnahme, an der der Y bei einer Koproduktion und Veröffentlichung tatsächlich teilhatte, war Claudio Abados letzter Live-Auftritt am 92Y im Jahre 1976.. “Einige Veranstaltungen werden bereits von Sendern wie NPR (National Public Radio) und WWFM (Classical Network) übertragen. Aber ich fände es prima, einen ‘Live” Konzertsaal mit live-Streaming aller Veranstaltungen zu haben,”sagt sie. Gaifman gelingt es, ihre umfassende und aufgeschlossene Sichtweise zu bewahren während sie sich gleichzeitig auf die kleinsten Details zu konzentriert. Sie sucht unermüdlich nach neuen Wegen, den Erkundungs-Willen ihres Publikums zu vergrößern und neue Hörer anzuziehen. Gaifmans Wunsch nach Expansion wird mit größter Wahrscheinlichkeit die Ausweitung auf weitere Standorte umfassen und so Downtown-Auftritte in ihre Programme der nicht zu fernen Zukunft mit aufnehmen.

Gaifman plant weit im Voraus, indem sie ungefähr vierzig klassische beliebte Konzerte pro Jahr kuratiert und die Mehrheit der Veranstaltungen eineinhalb Jahre in voraus ausarbeitet. Sie verhandelt die Zeiten und koordiniert eine breite Palette von Bildungs- und anderen Programmen, die sich an die Öffentlichkeit wenden und am selben Ort untergebracht sind. Ihre persönliche Teilnahme ist bemerkenswert, da sie fast all die Veranstaltungen, die sie plant, auch besucht. Über ihre begeisterte Schirmherrschaft sagt sie: “Wenn ich es nicht selbst genieße, warum sollte es das Publikum?”

 

Jeremy Denk – Bildnachweis Michael Wilson

Am 11. Februar wird der 92 Y eine von Gaifmans liebsten – sich gegenseitig erhellenden literarischen und musikalischen Veranstaltungen vorstellen, die sie geplant hat. Der Pianist Jeremy Denk, der ein leidenschaftlicher Darbieter der Werke von Charles Ives und ein passionierter veröffentlichter Autor mit dem interessanten ‘ThinkDenk’ Blog ist, wird Sektionen aus Ives’ transzendentalen Satzes seiner ’Concord Sonata’ darbieten, in der berühmterweise historische, literarische Pesönlichkeiten wie Emerson, Thoreau, die Alcotts und Hawthorne beschrieben werden; sein Auftritt wird durch die Lesung aus den Werken dieser Autoren begleitet.

“Für mich geht es darum, neugierigen Leuten zu dienen, [es geht] um die Qualität, die sie überzeugen wird, aktiv Kultur und die Erfahrung zu genießen. Bereits als ich Literatur unterrichtete, dachte ich mir im Stillen, dass es einen Unterschied ausmachen würde, wenn ich nur das Interesse eines einzigen Studenten gewinnen und eine Leidenschaft für Literatur, die ich so liebe, entfachen würde. Hier am 92Y ist der eine Platz in der Welt, der sich auf beide Welten, die ich liebe und verstehe, konzentriert – Musik und Literatur – und da wo ich einen Unterscheid ausmachen kann, da wirke ich gerne mit.”

YCA Junge Konzertkünstler – Die Einführung und die Förderung neuen Talentes für die Zukunft des Musikmachens

Wirkliche Begeisterung und Weitblick sind erforderlich, um etwa angestrebten Wandel zu erzielen, von dem Politiker immerzu sprechen. Im wirklichem Leben sind es nur die energetischsten Macher, wie Susan Wadsworth von YCA, die, in diesem Falle im Bereich klassischer Musik in der Lage sind, neue Strategien und Veränderungen umzusetzen, die anhaltende Bedeutung für die Zukunft haben.

Es begann alles im Paterre-Loft eines Restaurants am Waverly Place im New Yorker ‘Greenwich Village’. Dem Eigentümer, einem jungen armenischen Architekten, gefiel die Idee von Susan, an seinem Veranstaltungsort Konzerte zu kuratieren. So räumte er an seinen freien Tagen die Tische weg und fügte seiner eigenen Hinweistafel, eine der ‘Jungen Konzertkünstler’ hinzu und hängte sie einfach vor Harout auf, um für die neu eingerichtete Konzertreihe zu werben. (Foto: Alfred Statler)

                       

“Steinway stellte mir für jeden Weg jeweils 100 Dollar Transportkosten in Rechnung und gab mir ein großartiges Geschenk … einen wunderschönen Konzertflügel, der während der gesamten Spielzeit am Veranstaltungsort bleiben konnnte,” sagt Susan Wadsworth, ein Energiebündel von kleiner physischer Statur mit außerordentlich großen Zielen.

Selbst eine klassisch ausgebildete Pianistin, hatte sie bei den Klavierpädagogen Mieczyslaw Munz, Jean Casadeus und Nadia Boulanger studiert und wurde immer von Musiker-Freunden umgeben, von denen sie einige während ihrer Jahre am ‘Mannes College of Music’ kennengelernt hatte, als sie bei Frank Sheridan studierte.

Aber während sie einiges an dem erstaunlichen Talent ihrer Freunde bewunderte und sich eng mit Musik und ihrer Welt verbunden fühlte, lehnte sie für sich selbst eine Karriere als Konzertpianistin ab. Der entscheidende Moment kam, erklärte sie, “als ich gefragt wurde, Mozarts Klavierkonzert Nr. 23 in A Dur mit dem Mannes Orchester zu spielen. Es wurde mir schnell klar,” gibt sie mit Erleichterung in ihrer Stimme vertraulich zu, “dass ich einfach nicht spielen wollte.”

Zunächst hatte die Absolventin des ‘Vassar College’, mit einem Abschluss in Englisch, keine wirklich klare Vorstellung, wo es hingehen sollte und versuchte sich in verschiedenen Dingen, darunter auch bei den Vereinten Nationen und in der Kinderbuchabteilung des ‘Rand McNally’ Verlages. Immer war jedoch  verblieb sie mit einigen ihrer Musiker-Freunden in engem Kontakt, was schließlich zur Entdeckung ihrer eindeutigen Berufung führte: “Ein Freund beobachtete meinen Enthusiasmus, als ich meine Freunde spielen hörte und sagte mir, dass ich wahrhaftig an diese Musiker glaubte. So entschloss ich mich, etwas diesbezüglich zu tun.”

Foto von Alfred Statler: Wadsworth begann die Reihe ‘Junge Konzertkünstler’ im Jahre 1961 “mit der Unterstützung von einigen unternehmungslustigen Personen.” Die bestehende finanzielle Unterstützung für Kunst wurde hauptsächlich unter den großen Einrichtungen aufgeteilt und vornehmlich von privater Seite zur Verfügung gestellt. Schließlich diente Wadsworth als Beraterin beim ‘New York State Council on the Arts’ und dem ‘National Endowment for the Arts’ und wurde Mitglied der nationalen Beratungsausschüsse des ‘Avery Fisher’ – Preis Programms, des ‘Van Cliburn’ Wettbewerbs und der ‘Young Audiences, Inc.’

 

Von Anfang an begriff sie, dass selbst die talentiertesten, jedoch jungen und noch unbekannten Musiker sich einem enormen Mangel an Auftritts-Gelegenheiten, gegenübersahen. Sich dabei abzukämpfen, mit etablierten Künstlern zu konkurrieren und ihre Karrieren voranzutreiben , hinter denen eine ganze Maschinerie von Managern, Werbe- und PR- Leuten stand, stellte eine enorme Herausforderung für einen jungen, am Anfang seiner Karriere stehenden Künstler dar. Das galt besonders, wenn man sich der schwerwiegendsten Herausforderung stellen musste: ständig seine Fähigkeiten zu vervollkommenen und sich der Kunst des Musikmachens zu verschreiben. Sie liebte und bewunderte die jungen Künstler und sie wollte einen Unterschied in ihrem Leben ausmachen. Und da  viele von ihnen, anfangs zudem auch ihre engen Freunde waren, wurde Wadsworth so einfallsreich wie sie ambitioniert war und YCA erwuchs aus einer anfänglichen Reihe mit 13 Konzerten zu einer international hochgeachteten und bedeutenden Institution. Ihre anwachsenden Dimensionen und ihr logistischer Ablauf ebenso wie auch die finanziellen Grenzen machten ständige räumliche Veränderungen erforderlich. Und so zog die ‘Junge Konzertkünstler’ Reihe von Harout, in das ehemalige ‘Brownstone’ Haus der ‘Mannes School of Music’ an der 74. Strasse, dann weiter zum kleineren Carnegie Konzertsaal (nun ‘Weill Hall’ genannt), zum Hunter College, in das ‘92nd Street Y’, zur ‘Zankel Hall’ und seit 2011 ist sie in der ‘Merkin Hall’ beheimatet. Wadsworth war damit beschäftigt, einem ständig immer größer werdenden Zustrom von Künstlern und Publikum die Türen zu öffnen.

Indem sie ihre Hörproben in Leipzig und New York abhalten, wählen YCM ein Sortiment an Auftrittskünstlern (und neuerdings auch Komponisten) aus, für die sie Konzerte an verschiedenen Auftrittsorten in New York, am Kennedy Center in Washington, D.C. und quer über die USA verstreut wie auch im Ausland bieten. Es gibt Festivals der ‘Jungen Konzertkünstler’ in Tokio und Peking. Aber was vielleicht ebenso sehr heraussticht, ist YCAs fachmännische Anleitung, die persönliche Betreuung und Werbematerial für jeden Künstler enthält.

Das wird alles Teil davon, ein YCA Künstler zu sein. Und die Presse schenkt dem Aufmerksamkeit. ”Mit den Jungen Konzertkünstlern können Musikliebhaber ohne Zweifel sich im Wissen glauben, dass sie die Crème de la Crème aus der ganzen Welt hören,” schrieb die Huffington Post. In der Washington Post wurde bemerkt, dass “YCAs Erfolgsgeschichte, die Stars von Morgen wirklich treffsicher herauszufinden, einfach unglaublich ist.”

Foto von Steve Sherman: Mit freundlicher Genehmigung von YCA – Künstler des Konzertes zum 35. Jubiläum. Erste Reihe: Nokuthula Ngwenyama, Yesun Kim, Richard Goode, Susan Wadsworth, Alban Gerhardt, Beverly Hoch, Toby Appel, Benny Kim. Zweite Reihe: Carter Brey, Chee-Yun, Anne-Marie McDermott, Scott St. John, Marya Martin, Jospeh Kalichstein, Ruggero Allifranchini, Hsin-Yun Huang, Geoff Nuttall, Ilana Vered, Nicolas Kitchen, Ida Kavafian, Makoto Nakura, Chris Pedro Trakas, Fred Sherry.

 

Es gibt etwas Einzigartiges an YCA, was ihr Herzstück von anderen Organisationen abgrenzt. “Anders als bei Wettbewerben, bei denen es für Auftrittskünstler darum geht, gegen andere zu konkurrieren, um zu gewinnen, werden die YCA Künstler auf der Basis ihrer individuellen künstlerischen  Verdienste ausgesucht,” meint Wadsworth. “Jede Anzahl an Instrumentalisten kann gewinnen, das ändert sich von Jahr zu Jahr. Wir entscheiden über die Einzelpersonen statt über Instrumentenkategorien. Dieses Jahr waren unsere fünf Gewinner die Sopranistin Julia Bullock, das Hermes Quartett, der Pianist Ji-Yong, die Cellistin Cicely Parnas und der Geiger Aleksey Semenenko. Die ‘Jungen Konzertkünstler‘ präsentieren die auserwählten Künstler bei Konzertdebüts und als Konzert-Solisten:  ‘Wir selbst stellen keine finanzielle Unterstützung zur Verfügung, wir buchen sie für Konzerte, so dass sie professionelle Konzerthonorare verdienen, von denen wir eine symbolische Provision nehmen, die zwei Prozent unserer jährlichen Kosten deckt. Aber all die Dienstleistungen und Gelegenheiten, die wir den Künstlern bieten, werden von unseren musikliebhabenden Spendern und interessierten Stiftungen durch unsere Fundraising-Bemühungen möglich gemacht.  Ohne diese Unterstützung könnten wir nicht überleben!” verlautbart Wadsworth.

 

Foto: mit freundlicher Genehmigung von YCA. Im Weißen Haus 1993: Geoff Nuttall, Lesley Robertson, Chee-Yun, Barry Shiffman, Marina Hoover vom St.Lawrence String Quartett, Hillary und President Clinton, Camellia Johnson, Neal Goren, Akira Eguchi, Isaac Stern, Susan Wadsworth.

Im Jahre 1993 gaben die ‘Jungen Konzerkünstler’ auf die Bitte des inzwischen verstorbenen großartigen Geigers Issac Stern nach einem Abendessen zu Ehren der Empfänger der ‘National Medal of Arts’ ein Konzert für Präsident Clinton und Frau Clinton im Weißen Haus. Wadsworth hat für ihre unermüdlichen Bemühungen und ihren Erfolg viel Anerkennung erfahren. Im Jahre 2005 nahm Frau Wadsworth den ‘Angel Award’ entgegen, der den ‘Jungen Konzertkünstlern’ von der ‘International Society of Performing Arts Administrators’ verliehen wurde. Sie erhielt ebenfalls die Ehren-Doktorwürde vom ‘Mannes College of Music’ und der ‘Manhattan School of Music’.

Sitzt man in Wadworths Büro, das voll von Fotos der großartigen Erfolge ihrer Künstler ist, täuscht ihre jugendliche Energie nicht über die Tatsache hinweg, dass sie nicht einen Moment Pause macht, wenn sie dem nachgeht, was sie am Liebsten macht: zugunsten Ihrer Künstler tätig zu sein.

Obwohl sie allein begann, wurde ihr klar, als YCS am Wachsen war, dass sie Hilfe benötigte. “Ungefähr im fünften Jahre stellte ich eine Assistentin ein, die sich als eine treibende Kraft herausstellen sollte. Wenn es um die Buchung von Konzerten ging, war Ann Dunbar unschlagbar,” erinnert sich Wadsworth. Ihr Team wuchs an und umfasste außergewöhnliche Leute wie Edna Landau, Judith Kurz und Nancy Wellman, alle große Damen, die damit fortfuhren, in der Musikindustrie wichtige Rollen zu spielen. ‘Associate Director’ Mark Hayman, Monica Felkel, ‘Director of Management’ und Rong-Hong Ma, für die Finanzen zuständig, sind einige der Mitarbeiter, die sie mit voller Anerkennung erwähnt,  arbeiten mit ihr seit mehr als 25 Jahre zusammen. Sie schätzt auch YCAs ‘Artist Managers’ Monica Felkel und Vicki Margulies für ihr großes persönliches Interesse und deren sachkundige Anleitung, die sie jedem Künstler auf ihrer Liste bieten.

Es gibt jede Menge kleinste Details zu bedenken, wenn man junge Künstler berät – wie ein spannendes Programm aus dem Repertoire zu schmieden, dass ein Künstler mitbringt.“ Als ich anfing, war ich im Grunde im gleichen Alter wie die Musiker und das beinhaltete auf ganz natürliche Art und Weise großartige Freundschaften. Nun habe ich bereits eine neue Generation von Künstlern, die Schützlinge großartiger Alumni wie Pinchas Zukerman, Emanuel Ax und Ida Kavafian sind. YCA Alumni sind ebenfall äußerst großzügig darin, Benefizkonzerte zu spielen, die für uns so unerlässlich sind.”
Foto: Stanley Jesudovich: mit freundlicher Genehmigung von YCA – Die ersten drei Vorsitzenden des YCA Alumni-Verbandes:Ruth Laredo, Emanuel Ax, Eugenia Zukerman.

Susan ist seit 1966 mit Charles Wadsworth verheiratet, dem charismatischen Gründer und ehemaligen Direktoren der Kammermusik Reihe des Spoleto Festivals in Italien und in Charlston, South Carolina, der im Jahre 1969 die Kammermusik Gesellschaft am Lincoln Center gründete und das brachte den ‘Jungen Konzertkünstlern’ damals sicherlich auch viel Öffentlichkeit. „Er hörte all meinen Konzerten zu und natürlich, wenn er jemanden wirklich mochte – wie Richard Goode oder Paula Robison – würde er es in Betracht ziehen, sie vorzustellen. Immerhin konnte er Künstler eines jeden Managements in der Welt aussuchen.”

Die große Erfolgsrate von YCA Künstlern hat sicherlich im Kern damit zu tun, von einer Jury mit großer Einfühlsamkeit in New York und seit 1994 in jedem zweiten Jahr in Leipzig unter der Aufsicht von Professor von Hand aus ausgesucht zu werden. Shapiro, ein Pianist, war einer von Wadsworth ersten Künstlern und spielte in der ersten Reihe von YCA.

Foto: mit freundlicher Genehmigung von YCA. Das erste europäische Probevorspielen in Leipzig” von links nach rechts:  Stefan Schönknecht, (Mendelssohn Hochschule Koordinator), Mark Hayman; Gewinner Diana Doherty (Oboist) und Fazil Say (Pianist); Juroren: Joel Shapiro, Susan Wadsworth, Kurt Masur, Lorraine Nubar, Marya Martin und Christiane Edinger.

 

Künstler, die beim Wettberwerb gewinnen, werden für ein Minimum von drei Jahren in die Riege aufgenommen, aber oft werden es fünf oder sechs Jahre. Der zeitliche Rahmen ist flexibel. Wenn wir jemanden auf die Liste setzen, fühlen wir uns ihnen voll und ganz verpflichtet und unterstützen sie best möglich, solange wir denken, dass wir ihnen helfen können. Es ist immer unterschiedlich: Einige werden schnell von einem kommerziellen Management unter Vertrag genommen, die Karrieren anderer entwickeln sich langsamer. Es ist immer sinnvoll ihnen Auftrittsmöglichkeiten zu gewähren, und das persönliche „unter die Arme greifen“ ist meist auch sehr hilfreich, da die jungen Talente an einem aufregenden Wendepunkten in ihrem Leben zu uns kommen, wenn sie auch noch sehr verletzbar sind.”

Wadsworth erfreut sich aufgrund ihrer Expertise großer Nachfrage und ist über die Jahre hinweg unter den Juroren verschiedener Wettbewerbe gewesen, darunter der ‘Vendôme Prize Piano Competition’ und Konzertwettbewerben am ‘Peabody Conservatory of Music’, der ‘Manhattan School of Music’, dem ‘Bard College Conservatory of Music’ und der ‘Yale School of Music’.

Es muss Wadsworth mit grosser Befriedigung erfüllen, besonders angesichts der Liste der anerkennden Bekundungen, wie die der des Geigers Pinchas Zukerman, zurück zu blicken : “Wie unglaublich es ist, dass 50 Jahre vergangen sind! Man könnte meinen, dass es gestern gewesen wäre, als ich herumreiste, um Konzerte zu geben, die durch YCA arrangiert worden waren. Es war so eine fantastische Zeit, der Auftakt zu einer der unglaublichsten Reisen.”

Der junge Pianist Louis Schwizgebel, YCA Gewinner im Jahre 2007, erzählte mir vor Kurzem persönlich davon, wie freundlich und personenbezogen für ihn von den YCA gesorgt wurde, als er aus Genf nach New York kam, um sein Studium an der Julliard School fortzusetzen.

 

Foto von Christian Steiner: Pianist Louis Schwizgebel

Er kommentierte die fortwährenden Bemühungen von YCA, ihm Auftrittsmöglichkeiten zu verschaffen und seine Karriere zu fördern. Er war begeistert, dass er am 16. Mai, am Abend der YCA Benifiz-Gala, in der ‘Alice Tully Hall’ sein New York Debüt mit dem ‘Orchestra of St. Luke’s’ haben wird, wenn er Beethovens erstes Klavierkonzert in C-Dur spielen wird. Zwei weitere YCA Solisten stehen ebenfalls auf dem Programm.

Wadsworth erklärt es genau in aller Kürze: “Großes Talent zu haben ist wesentlich, aber das allein reicht oft nicht aus, dass etwas passiert und daraus wird.  Wir machen alles möglich, was in unserer Macht steht, um unsere YCA Künstler in die Lage zu versetzen, die berufliche Anerkennung im Leben zu erreichen, die sie verdient haben und dem Publikum überall die Freude zu geben, ihre Talente bei deren Auftritten selbst zu entdecken!”

Offenbarungen zur Inspiration – Live aus der ‘New York Public Library’: Andrew Solomon im Gespräch mit Paul Holdengräber

In seinem bemerkenswert ergreifenden neuen Buch “Far from the Tree” (Weitab vom Baum), erinnert uns Andrew Solomon, “dass es nichts Wichtigers in der Entwicklung eines Kindes gibt, als die Liebe seiner Eltern ” (Bill Clinton). In diesem Buch erkundet Solomon das menschliche Dasein, aufgrund der Andersartigkeit und zugleich Einzigartigkeit der Charaktere, die ihre Geschichte erzählen; seine Erkundung weisst über jede ihrer spezifischen Herausforderungen hinausreichend, in einen allgemein- menschlich verbindenden Bereich hinaus- viel mehr, als man es für möglich halten sollte. Das Buch ist in 10 Kapitel gegliedert und jedes von ihnen beleuchtet unterschiedliche kulturelle Gegebenheiten, die aus extremen Situationen erwachsen sind. Bewunderndswerterweise durchdringen die Abschnitte des Buches das Potential der Charaktere zu freudiger Offenbarung, die sie schließlich am Ende unendlicher, schmerzvoller Kämpfe bei ihrer Identitätsfindung und Bewältigung extremer Schwierigkeit und Unterschiedlichkeit finden. Angefangen von schwerer Behinderung bis zur einzigartigen Weltfremdheit von Wunderkindern, mit solchen Beispielen wie den Superstar-Pianisten wie Lang Lang und Evgeny Kissin, schließt „Far From The Tree“ Untersuchungen zu Zwergenwuchs, Kriminalität/strafbare Handlungen und transidentischen Identitätskonflikten mit ein. Salomons aufschlussreiche Beispiele helfen dem Leser die Möglichkeiten begreiflich zu machen, angesichts von elterlicher Liebe und Hinnahme, liebevollen Zusammenlebens und Akzeptanz mit den außergewöhnlichsten Bedingungen klar zu kommen. Anstatt das Unmögliche zu verodnen, arbeitet Solomon daran, Aufmerksamkeit und Bewußtsein zu schaffen und entwickelt mit Anmut und Leichtigkeit eine positive Vision von Verständnis und Akzeptanz. Er kreiert eine Welt, in der es machbar erscheint, die Unterschiede eines jeden zu zelebrieren, statt sich in Elend zu ergeben, das so überwältigend erscheint, als dass man es überwinden könnte. Als eine motivierende Einführung an der ‘New York Public Library’ letzten Sonntag, sind sowohl Paul Holdengräber als auch der Autor übereingekommen, dass ein grundlegendes Element zum Verstehen dieses Buches in der Anerkennung liegt, dass es von “Reife” handelt. In Widrigkeiten Stärke zu finden, ist die letzendliche lebensbejahende Botschaft des Buches, die der Autor auf die eigenen persönlichen Kämpfe mit Homosexualität und Depression gründet. Die bereichernde sinnstiftende Absicht des Buches wird klar, als Salomons “Antihelden’ sich mit Hilfe ihrer eigenen inneren Stärke und unermüdlicher Liebe wandeln, was die Geheimnise wahrer seelischer Katharsis in sich birgt. Andrew Solomon ist Schriftsteller und Dozent für Psychologie, Politik und Geisteswissenschaften; er ist Empfänger des nationalen Buchpreises, ein Fürsprecher für die Geisteswissenschaften und ein Aktivist für die LGBT Gemeinde, also setzt sich für die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und transidentischen Personen ein, wie auch für die psychisch Kranken.

Das Israelische Philharmonie Orchester spielt auf: Carnegie Hall und Yuja Wang

Am 25. Oktober gab das Israelische Philharmonische Orchester ein ausverkauftes Konzert in der Carnegie Hall. Maestro Zubin Mehta führte durch ein Programm der spirituellsten Werke die mit jüdischer Liturgie in Zusammenhang gebracht werden können und demonstrierte kulturelle Eminenz, die das IPO zurecht einnimmt. Trotz einer kleinen Gruppe von anti-israelischen Demonstranten, die sich gegenüber dem Eingang in der 57. Straße versammelt hatten, zusammengerufen von Adalah-NY: der New Yorker Kampagne zum Boykott von Israel durch verschiedene Presseveröffentlichungen, war drinnen die Stimmung gut, als das Orchester das Konzert mit der amerikanischen Nationalhymne Star-Spangled Banner, gefolgt von der israelischen Nationalhymne Hatikva, eröffnete. Die Wohltätigkeitsveranstaltung, die von den Freunden des Israelischen Philhamonischen Orchesters organisiert worden war, wird die Tournee und das Bildungsprogramm unterstützen, ebenso wie die Renovierung ihres Zuhauses in Tel Avivs Heichal Ha’Tarbut, das im Mai 2013 eröffnet wird. Das Programm von Arnold Schoenbergs Kol Nidre und Noam Sherifs Mechaye Hametim (Revival of the Dead)hatte bereits bei den Salzburger Festspielen breite internationale Anerkennung erfahren, besonders angesichts der tragenden Rolle des Baritons Thomas Hampson, die von New York Times’ James R. Oestreich als “buchstäblich einen Propheten des alten Testament verköpernd“ beschrieben wurde. Von den zwei Werken ist Kol Nidre das bekanntere, doch Sheriffs symphonische Werke (New York Premiere), die in Erinnerung an den Holocaust und gleichzeitig als Tribut an die jüdische Kultur und den Nationalstolz in Auftrag gegeben worden waren, stellten sich als eine sehr organische Struktur heraus. Sie umfassten viele unterschiedliche musikalische Motive auf und bauten darauf auf. Hampson und dem ‘Collegiate Chorale’ gesellten sich der Mädchenchor von Manhattan und Tenor Carl Hieger hinzu; alle von ihnen traten in der Produktion in hebräischer und jiddischer Sprache in der Anwesenheit des Komponisten auf. Das ursprüngliche Programm war dahingehend geändert worden, dass es diese Werke miteinschloss, da sich diese in Salzburg großen Zuspruchs erfreut hatten und auch teilweise, weil der Collegiate Chorale, der im Jahre 1941 von Robert Shaw gegründet worden war und derzeit von James Bagwell geführt wird, bereits anwesen

Inmitten beider jüdischer, spiritueller Werke ergoss die

25jährige Yuja Wang ihre überwältigende Virtuosität

in Mendelssohns Klavierkonzert Nr.1 in G moll, Opus.25.

Als ihre erste Zugabe Rossini-Ginsburgs Figaro Arie von einem noch stürmischeren, großartigen, von Horowitz inspirierten Carmen übertrumpft wurde, hatte sie das nach Luft schnappende Publikum

in ihren Händen.

Ganz in rot gekleidet, konnte sich das

Publikum an ihren stürmischen Hand- und Armbewegungen begeistern, die aus ihrem

schlanken, muskelösen Rücken hervorströmten. Wie bei der Choreographie eines olympischen Schwimmers, waren ihre

Bewegungen wenig ausladend, kontrolliert und super-schnell.

Obwohl er immer charmant ist, schien Zubin Mehta, der

während seiner nun mehr als fünfzigjährigen Laufbahn als Dirigent (er ist auf

Lebenszeit der Musikdirektor beim Israelischen Philhamonischen Orchester) viele

der großartigsten Auftrittskünstler geleitet hat, wahrhaftig von seiner phänomenal

talentierten Debütantin der Saison beindruckt zu sein. Ilona Oltuski

Beethoven Reise mit dem Pianisten Leif Ove Andsnes

“Man weiß nie, was einen gleich als nächstes erwartet,” meint der norwegische Pianist Leif Ove Andsnes über Beethoven, als er seine persönlichen Ansichten auf seiner sogenannten ‘Beethoven Reise’ im Rahmen einer intimen Zusammenkunft des Publikums im ’Green Space’ Studio des Radiosenders WQRX zu beschreiben versucht.

Beethoven errichtet eine größere Struktur, die auf sehr einfachen Motiven beruht, die zwar sehr organisch ist, aber viele melodische Überraschungen bereithält. Andsnes hat in den Werken Beethovens für sich eine Art Fixierung auf Resonanz entdeckt, was sich in seiner Verwendung extrem langer Triller und der langen Pedalisierung zeigt und welche auf einem neuen Klavier sogar noch länger klingt als es das jemals auf den Instrumenten aus Beethovens Zeit tat. Andsnes fragt sich, ob diese Vorliebe vielleicht in Beethovens letzendlichem Gehörverlust ihren Ursprung hatte.

In dem Interview mit Jeff Spurgeon erwähnte Andsnes im Anschluss an seinen Auftritt im ’Green Space’ am letzten Samstag Nachmittag die handgeschriebene Partitur von Beethovens berühmter Sonate Nr 21, Opus 53 (Waldstein) – ein Stück, das Andsnes zusammen mit der Sonate Nr 22, Opus 54 darbieten wird. In dieser Partitur einer der längsten Sonaten Beethovens erkennt Andsnes zuerst die energiegeladene Handschrift, die sich in der Geschwindigkeit der Komposition wie auch im extensiven, vehementen, Kontrastaufbau in diesem Oeuvre ausdrückt. Als eines der längsten Werke des Meisters, erläutert Andsnes, dass es auch lange Passagen enthält, die Transformationen wiederholter Fragmente aufweisen, die den ganzen Text hindurch vorkommen, es handelt sich dabei um einen Teil der Reise, der voll von tief bewegenden Motiven ist und die Erwartungen weiter steigert – Erwartungen, die am Ende in dem damit untrennbar verbundenen Finale von der Waldstein [Sonate] erfüllt werden.

Nur drei Tage vor seinem Auftritt im ‘Greene Space’, der als Webcast im Internet übertragen wurde, eröffnete Andsnes, dessen Klavierfertigkeiten jüngst von Blogcritics’ Jon Sobel gelobt wurden, die Spielzeit des ‘New York Philharmonic’ Orchesters mit György Kurtag, Opus 27, Nr. 1 (quasi una fantasia genannt / für Klavier und Gruppen von Instrumenten) und Beethovens

Klavierkonzert Nr. 3.

Als er Jeff Spurgeons etwas rhetorisch klingende Fragen recht lebhaft beantwortet, erinnert sich Andsnes daran, wie dieses Interesse an Beethoven in Wirklichkeit tatsächlich begonnen hatte: ”Ich war in Sao Paulo, trat dort auf, übernachtete in einem Hotel und betrat den Fahrstuhl, woraufhin das erste und zweite Beethoven Konzert wiederholt stundenlang gespielt wurde. Zuerst dachte ich, oh nein – aber es erweckte eine neue Perspektive von Beethoven, die nicht im eigentlichen Zentrum meines Repertoires stand. Ich dachte mir: ‘es ist an der Zeit erwachsen zu werden… und ein bisschen Beethoven zu spielen!’”

Natürlich hat Andsnes in der Vergangenheit etwas Beethoven studiert. Im Alter von sieben Jahren spielte er die Mondscheinsonate, die er pianistisch gesehen als fremd empfand; aber darin erkannte er dennoch ein wichtiges, tiefgreifendes Element innerhalb des Stückes. Er meint, “Beethovens Musik besitzt nicht die offenkundigen sinnlichen Elemente wie Chopin oder Grieg … aber es gibt eine solch unglaubliche

Aufrichtigkeit.”

Andsnes mag es manchmal, Beethovens übermässiges Vertrauen auf die Resonanz-Eigenschaften des Klaviers auszugleichen und spielt einige der Pedalierungen nicht so lange, wie die Partitur es verlangt, was, wie er glaubt, die Musik besser dem heutigen Klavier anpasst. Er findet, dass “die Musik umfangreich genug für verschiedene Ansätze ist.” Ich persönlich mochte seinen aufgeschlossenen Ansatz sehr und empfand diesen als sehr wirkungsvoll.

 

Andsnes plant Beethovens Oeuvre als Teil seines bevorstehenden Projektes vorzustellen, an dem er für Sony arbeitet und das all die Beethoven Aufnahmen Seite an Seite mit dem Gustav Mahler Orchester enthalten wird. Andsnes wird ebenfalls eine gewaltige Reihe von internationalen Auftritten, die sich über die Spielzeit 2014/15 erstrecken werden, in Zusammenarbeit mit der norwegischen Stiftelsen Kristian Gerhard Jebsen leiten.

 

Die Geschichte von Naxos

“Naxos sieht unseren Feierlichkeiten in New York zum fünfundzwanzigjährigen Bestehen mit der Signierstunde von ‘Die Geschichte von Naxos’ im Julliard Buchladen entgegen, einer Party in der Steinway Hall und verschiedenen Zusammenkünften mit Medien- und Geschäftspartnern,” sagt Klaus Heymann, Gründer von Naxos und mit stolzen  75 Jahre, das Herz des Plattenlabel Imperiums, das er aufgebaut hat. Heymann ist während der öffentlichen Buchsignierung im Julliard Buchladen am 14. September selbst anwesend. Voll von aufschlussreichen Hintergrundsgeschichten über die Aufnahmeindustrie, erzählt The Story of Naxos, geschrieben von dem ehemaligen klassischen Musikjournalisten und Hörbuchspezialisten Nicolas Soames, die bemerkenswerte Erfolgsgeschichte von Naxos. Das Buch geht hinsichtlich von Heymann ins Detail, dem ‘Self-Made Man’ und Musikliebhaber, wie auch der Achterbahnfahrt von Siegen und Niederlagen, die Naxos erfahren hat, als es wuchs und am Ende die Welt der Aufnahme klassischer Musik, mit neu erfand. Was 1987 als ein Budget Label mit Sitz in Hongkong begann, ist zu einer globalen Institution in der Plattenindustrie klassischer Musik und zum weltweit führenden Vertriebsnetzwerk klassischer Musik erwachsen. In seinem Vorwort reflektiert Klaus Heymann darüber, wie Naxos “die Kultur und die Industrie klassischer Musik verändert hat“ und lobt die Fähigkeiten derer, die dies vollbrachten, indem sie neue und innovative Wege fanden, sich an ihre Aufgaben zu machen, oft angesichts starken Widerstands. Heymanns Worte kann ich persönlich gut nachempfinden, besonders als er erörtert, wie es ihm nur mit Hilfe derer möglich war, seine erfolgreichsten Leistungen zu erreichen, die an seine Ziele glaubten. Wirkliche, unternehmerische Vison muss mit Innovation beginnen, aber es bedarf auch der Unterstützung einer engagierten Community und persönlichen Beziehungen, wie Heymann bescheiden feststellt: “Sie glaubten einfach an das, was ich zu erreichen versuchte.”(Foto: Sean Hickey, Komponist und Naxos Manager für Verkauf und Geschäftsentwicklung in den USA seit 2002 – Steinway Hall Empfang) Heymanns erfolgreiches Zielstreben ist sicherlich auf seine eigene Überzeugung zurückzuführen, dennoch hält er seine Triumphe vornehmlich seinem gemeinsamen Lebens in der Musikwelt mit seiner Ehefrau, der Violistin Takako Nishizaki zugute, deren Aufnahmekarriere bei Naxos vielleicht seine wirkliche Inspirationsquelle ist. Ich nehme an, es ist wahr, was sie sagen; hinter jedem großen Mann steht eine großartige Frau! Und Heymann bestärkte mich darin, indem er beim Naxos Empfang in der Steinway Hall sagt:

„In der Tat und dennoch eine viel bessere Frau”!” Foto: Mr. und Mrs. Klaus Heymann (Violinistin Takako Nishizaki) beim Steinway Hall Empfang für Naxos.

Die echten Pianisten der ‘Hamptons’

Gemessen an der großen Zahl von Reality TVShows, bei denen Ereignisse in Echtzeit aufmerksam verfolgt werden, die von angsteinflößenden Restaurantküchen bis zum glamorösen TV-Tanzfilm auf und jenseits der Tanzfläche Dancing with the Stars reichen, war es nur eine Frage der Zeit, bis jemand auf die Idee kommen würde, einen Blick hinter die Kulissen auf das wirkliche Leben von Pianisten zu werfen.   Indem er die alltäglichen Erfahrungen der jungen Pianisten, die beim East Hamptoner Pianofest zugegen waren, mitteilt, vermittelt Konstantin Soukhovetski, Pianist/Schauspieler und Moderator der neuen Reality-Web Serie The Real Pianists of the Hamptons mit Bravour sein tiefes Empfinden für das klassische Musikgenre und die Emotionen und Ereignisse, die innerhalb dieser besonderen Institution erlebt wurden.   Die Vorschau der Show umfasst Szenen aus der Sommersaison des letzten Jahres, aufgenommen in East Hampton, am Orte des Pianofestes, das acht Klaviere und all die teilnehmenden Pianisten beherbergt. Man bekommt einen voyeuristischen Kick, wenn man einen Blick vom intensiven Proben der Studenten, die für die wöchentlichen Konzert-Auftritte üben, erhascht, wie auch von den intensiven, persönlichen Interaktionen zwischen den jungen Musikern, wie sie arbeiten und spielen.
Photo:Igor Pancevski,Makiko Hirata, Christopher McKiggan,Elisabeth Strickland Zuschauer wird eingeladen, den emotionalen Zustand dieser jungen Leute zu verfolgen, wie sie ihren täglichen Übungsroutinen nachgehen und diese diskutieren, die beinhalten, sich auf die Herausforderungen des Repertoires, der Instrumente und der Ausdruckskraft in ihrer Musik zu konzentrieren. Dennoch liegt das entscheidende Element der Show in der Erfassung der sozialen Interaktionen der Studenten, die uns einen vertraulichen Blick auf die Auftrittskünstler als ebenbürtige Kollegen erlaubt, die [zusammen] essen, trinken, sich einander lieben und Parties machen.   Indem die Musiker außerhalb des sonst üblichen Konzerthallen-Rahmens gezeigt werden, überbrückt die vertrauliche Perspektive der Show die Distanz zwischen den privaten Persönlickeiten dieser Künstler und der ihrer geschliffenen Bühnenpersönlichkeiten. Diese Offenlegung ist vielleicht das natürliche Ergebnis der vorgestellten Generation, die sozialen Medien-Netzwerken ausgesetzt ist und sich selber dieser bedient.
Junge Auftrittskünstler empfinden heutzutage die Notwendigkeit, ihre Leidenschaften, Hoffnungen und Ängste mit ihrem Publikum zu teilen, vor allem aber mit ihren Kollegen. Diese talentierten Musiker, in deren Karrieren einigen von ihnen bereits berühmte, internationale Konzertbühnen vorgestellt wurden, mussten schon oft von einem sehr jungem Alter an ihr soziales Leben zugunsten ihres Studiums zurückstellen. Diese Web Serie bietet ihnen die Gelegenheit, sich mit Gleichaltrigen wieder kurzzuschalten und sowohl ihre Kunst als auch persönlichen Erfahrungen mit der Welt zu teilen.   Diese Reality Show bietet einem globalen Publikum eine Gelegenheit, einen flüchtigen Eindruck vom derzeitigen Stand klassischer Musik zu bekommen und verschafft einen Einblick in die Motivationen der jungen und oft unternehmerischen Musiker, wie Soukhovetski selbst einer ist.   Die Entscheidung Pianofest als Setting für The Real Pianists zu nutzen, war die einvernehmliche Entscheidung von Soukhovetski und dem Pianisten und bedeutenden ‘Cleveland Institute of Music’ Pädagogen Paul Schenly. Pianofest, die East Hamptoner Sommerresidenz für junge Pianisten, ist die Idee von Schenly, der bei seiner Suche nach einer Örtlichkeit für den Sommer in der Nähe von New York das East Hamptoner Landhaus erwarb. Pianofest findet nun bereits zum 25. Mal statt und Schenlys Landhaus ist zu einem idealen Ort geworden, der für herrliches und dennoch unaufdringliches Musizieren steht. Großartige Musiker und Musikliebhaber haben seit ihrer Gründung diese Institution zu einer Drehscheibe gemacht und dabei geholfen, sie zu einem Ort lebhaften, künstlerischen Ausdruckes zu entwickeln, als ein Refugium der Behaglichkeit für vielversprechende Künstler, nicht anders als die Wirkungsstätte von Rachmaninow, wo der Meister die Schüler zum Studium und zum Leben um sich versammelte.Paul Schnely with Kerina Chang

“Paul wollte immer schon ein freundliches Ambiente schaffen, in dem seine Studenten gleichzeitig vorankamen und miteinander spielen und sich sozializieren konnten, ohne das Gefühl haben zu müssen, im Wetbewerb miteinander zu stehen. Es gibt keinen Preis zu gewinnen; dort zu sein ist der Preis,” sagt Soukhovetski, der nun beim Festival als Gastkünstler fungiert. Während seiner frühen Entwicklungsjahre wie auch in seiner Zeit an der ‘Juilliard School’ hat Soukhovetski viele Sommer beim Pianofest verbracht. “Ich verstehe das Wesen des Pianofestes, seinen Auftrag wie auch seine Dynamik. Mit den Real Pianists, erzähle ich im Wesentlichen dessen Geschichte. Paul unterstützte meine Idee und bestärkte mich darin, mitzumachen. Paul Schenly erläutert: ‘Das Pianofest konzentriert sich auf die Unterstützung der Musik und Musiker und zwar auf eine Art, die sicherstellt, dass sie ihr ganzes Potential voll auschöpfen und dann ihr Talent zur Freude und Inspiration ihres Publikums präsentieren. ’Unsere Sommer Saisons haben bewiesen, dass unser Ziel, das Publikum eine persönliche Beziehung zu den auftretenden Studenten herzustellen zu lassen, eine wichtige, motivierende Rolle dabei spielt, ein wachsendes Publikum heranzuziehen, was umgekehrt inspirierend für die Auftretenden ist. Wir hoffen, die andere Seite der Musik zu zeigen: ihre innere Funktionsweise und hoffen auch, dass es Talent für das Leben wie für das Klavierspielen gibt.”   Für Soukhovetski ist es eine große Motivation, genau das deutlich zu machen und er macht von seinen vielen Auftrittstalenten Gebrauch: “Ich habe genug Zeit am Drehort verbracht, um eine Vorstellung der Rahmengebung zu haben und auswählen zu können, welcher Schnitt sich für einen besonderen Betrachtungswinkel eignet, nach dem ich Ausschau halte, und ich weiß, wie die Geschichte visuell zu erzählen ist. Als allerwichtigste Komponente nennt er seinen Co-Produzenten Sasha Popov von Popovmedia, der ihm dabei hilft, die Vorstellung auf den Bildschirm zu übersetzen, und er sieht ihn als den “guten Polizisten”, der sicherstellt, dass alle Grundlagen abgedeckt sind, um ein gutes Produkt zu liefern. Aber kein Produkt ist ohne Inspiration zu haben:”Es war Paul, der immerzu den Traum verfolgt hatte, ein sicheres Refugium zu schaffen, in dem Musiker einfach sie selbst sein konnten und wirklich die Gesellschaft ihresgleichen und die Musik ohne die sonst übliche Konkurrenz genießen konnten.                          Paul Schenly, Konstantin Soukhovetski  wurde beim Pianofest im höchsten Maße erreicht und, dank der Bemühungen der Gemeinde und der Wertschätzung der Musik, im großen Stil.”   Soukhovetski hofft auf einen Ausbau seiner Unternehmung mittels einer Vorschau von ‘the Real Pianist’, welche im Jahre 2011 aufgenommen worden war und im Juni diesen Jahres – während seines ersten Tages auf YouTube – beachtliche 1000 Ansichten abkassierte. Jetzt hat sie nahezu 7000 Treffer auf YouTube erzielt und die erste Episode soll in den nächsten Wochen auf YouTube und der Real Pianists Facebook Seite laufen. Soukhovetski fühlt sich in vielen Welten zuhause, einschließlich von Klavierauftritten, Theater, Fernsehen, Film, und Mode, aber sein wirkliches Ziel ist es, ein liebevolles Bild eines bestimmten kulturellen Mileus zu kreieren, das seine hohe Wertschätzung erfährt. Real Pianists hat die Ambition zu beweisen, dass trotz ihrer ernsthaften Herangehensweise an die Musik klassische Musiker ebenfalls ‘cool’ sind!   Als “Rock Star Pianist” vom ‘New York City Chamber Festival’ beim Symphony Space am 7. September (um 18Uhr) präsentiert, stellt Soukhovetski in einem theatralischen Kontext in seiner Vorstellung seiner Original-Transkription der Schlußszene von Richard Strauss’ Capriccio die gegenseitige Abschottung der theatralischen und musikalischen Aspekte eines Auftritts in Frage. Das Programm wird auch Franz Liszts Vallée d’Obermann aus Années de pèlerinage und die St.Sulpice Szene von Jules Massenets Manon (von Soukhovetzki für Klavier arrangiert) beinhalten.

Ein weiterer Teil seiner persönlichen Vorstellung: seine Schuhe, von Konstantin selbst entworfen.   

Klassik begibt sich auf eigene neue Wege – Classical:NEXT – und verschafft sich vielstimmigen Ausdruck

 

Jennifer Dautermann, Mitarbeiterin bei WOMEX (der ‘World Music Expo’) und Projektmanagerin von Classical:NEXT war beim Aufbau der neuen Plattform für Fachleute klassischer Musik am gut ausgestatteten und leicht überschaubaren Münchener Kulturzentrum Gasteig, sehr erfolgreich.

 

 

Der lang überfällige Auftaktdes ersten Forums der klassischen Musik gewidmet , fand vom 30. Mai bis zum 2. Juni statt und war Veranstaltungsort für Live- und Video-Vorzeigeprojekte, Konferenz-Sessions und Präsentationen von führenden Fachleuten aus der Presse und den Musikinstitutionen, wie der ‘Carnegie Hall’und der Bayrischen Staatsoper.

 

 

Das Forum präsentierte auch anhand von leicht zugänglichen Messeständen die internationale Musikindustrie, die von der Allgegenwärtigkeit des großen Naxos Teams dominiert wurde.

 

Wichtig war die Anwesenheit von Klaus Heymann, dem eminenten in Hongkong ansässigen Gründer von Naxos und Selfmademan, der dieses Forum dazu erkor, das 25jährige Jubiläum in der Rolle als größter Vertreiber klassischer Musik zu feiern.

 

 

Das allein mag zum Teil dazu beigetragen haben, dass viele Labels, die von Naxos vertrieben werden, mit großem Engagementan Classical:NEXT teilnahmen. Naxos hat immer wieder bewiesen, dass es über einen innovativen, unternehmerischen Ansatz und eine Voraussicht verfügt, die mit großen Projekten, wie der Naxos Bibliothek, Triumphe erzielen. Ihnen ist es gelungen, Kultur und Kommerz zu verknüpfen und auf eindrucksvolle Art ihre Entwicklung von einer Low-Budget-Unternehmensgründung zu einem weltweit führenden Unternehmen, mit dem zu rechnen ist, zu demonstrieren.

 

 

Zu schade war es daher, das die großzügige Geste der Einladung zu ihrer Jubiläums-Feier vom Veranstalter nicht genügend publik gemacht wurde und so nicht jederman wusste, dass die Party für alle Teilnehmer von Classical:NEXT gedacht war.

 

Was eine wohl wertgeschätzte Gelegenheit für alle Anwesenden gewesen wäre soziale Kontakte zu knüpfen und auch das anschliessende, von Naxos gesponserte Konzert zu geniessen, wurde so nur von einer begrenzten Anzahl wahrgenommen.

 

Klaus Heymann sagte darüber :“Wir hätten viel mehr Leute bei der Party und dem anschließenden Konzert haben können und es war bedauerlich, dass der Veranstalter beides nicht besser publik gemacht hat. Unter verbesserten Umständen,werden wir aber wieder gerne im nächsten Jahr hinter einer Veranstaltung stehen.“

 

Schliesslich war es die Vertrautheit der Welt der Klassik, die jeden für diese neue Veranstaltung zusammen gebracht hatte, in der es die Nähe ist, die in einer scheinbar kleinen, miteinander verknüpftenMusikwelt für bessere Partner sorgt.

 

 

Bis jetzt musste klassische Musik bei internationalen Messen wie Cannes Midem (Marché International du Disque et de l’Edition Musicale) die Bühne und das Marketing-Geschäftmit anderen Genres teilen.

 

Darüber wurde zwar jahrelang gesprochen, aber im letzten Jahr wurde nun, dank der Initiative von CLASS (Association of Classical Independents in Germany), die sich zwecks der erforderlichen finanziellen Unterstützung mit dem Kulturreferat der Landeshauptstadt Münchenzusammengetanhatte, ein eigenes Forum für klassische Musik auf die Beine gestellt. Und es war wunderbar zu sehen, wie überwältigend positiv auf der Messe die Resonanz der Branche war.

 

 

Das Forum stand ganz im Zeichen der klassischen Musik– und legte starkes Gewicht auf die besonderen Herausforderungen, dem sich das Genre gegenübersieht, wie auch darauf, Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Wer wäre besser in der Lage diese Belange anzusprechen als die Branche selbst, die sich sehr darum bemüht, klassische Musik im Mainstream beizubehalten? Und so kam es auch, dass alle Bereiche aktiven Anteil nahmen und gestärkt aus dem Forum herauskamen.

 

Wie es der Titel des Forums andeutet, waren die Gesprächsthemen, die die meisten Vorträge beherrschten, an den zukünftigen Aussichten im Bereich klassischer Musik orientiert – ihren Formaten, ihrer Präsentation und dem Marketing, wie auch den Anstrengungen, das Publikum vermehrt einzubeziehen und differenziert anzusprechen.

 

 

 

Einheitlich angesprochen wurde die Notewendingkeit neue Plattformen und Strategien zu finden, um neue Zuhörer einzubinden, wobei es auffällig wurde, wie unterschiedlich die Ansätze und Einstellungen bzgl. der Frage waren, was der Industrie diese  Veränderungen liefern könnte. Als ein Beispiel begrüßte James Jolly (Pressefoto links), der Chefredakteur bei Gramophone, voll und ganz die Anwesenheit von Musikjournalisten im Internet, die nicht von einer Redaktion zensiert werden und “Amateure im besten Sinne des Wortes sind.”

 

 

 

Umgekehrt wurde der Ansatz von Oliver Condy, (Pressefoto rechts) dem Herausgeber des BBC Musik Magazins, schlichtweg von der Hand gewiesen, der, angesichts einer rapide abnehmenden Anzahl von Redaktionsmitgliedern innerhalb der Printmedien zu diesem Themaeine recht verengte Ansicht präsentierte. Carsten Dürer, der Chefredakteur von ‘PIANOnews & ENSEMBLE’, positionierte sich irgendwo in der Mitte. Foto: Oliver Condy ‘BBC Magazine’

 

Es gab interessante Marktforschungsvorträge zur Frage, wie soziale Medien zu Marketingzwecken genutzt werden könnten, wie auch eine Auskundschaftung von vergleichsweise neuen Finanzierungsmöglichkeiten, wie zum Beispiel das originelle Projekt ‘Open Goldberg Variations’, das durch sogenanntes „Crowd-funding“ durch Kickstarter finanziert wird. Während in diesem Fall sich die Initiative auf eine substantielle Summe bezifferte und das Projekt tatsächlich auf erfinderische Weise Nutzen aus der Vorstellung, eine ’Community’ durch soziale Medien zu errichten, zog, stellt dieses immer noch eher einen außergewöhnlichen Erfolg, statt die Regel dar.

 

Obwohl jedes Forum nach jedem Vortrag Fragen zuließ, hätte es allerdings viel dynamischer sein können, hätte es eine einbeziehendere Sitzanordnung gegeben und wäre ein längerer zeitlicher Rahmen für eine wirklich interaktive Diskussion angesetzt worden.

 

 

Aber unbekümmert dessenreichten die meisten Vorträge (und es gab viele) vom Informativen bis zum Inspirierenden, besonders dann,wenn sie einige der wirklich neuen Entwicklungen im Herzen unserer Industrie angingen, wie die klassische Club-Kultur, präsentiert von Christian Kellerman von ‘Universal Music Classics &Jazz’, dessen Initiative, ein jüngeres Publikum in dessen gewohnter Musikklub-Umgebung anzusprechen, bereits aus dem Jahr 2001 stammt(Polygram- Jazz Label in Hamburg). Er förderte Universals ’Yellow Lounge, die in jüngster Zeit mehr Anhänger in ganz Europa gefunden hat und deren ‘New York Franchise’ diesen Monat ins Leben gerufen wird. Diesem verwandt und durch die gegenwärtige Musikszene inspiriert, hat Dauterman von Classical:NEXT selbst C3, ein zeitgenössisches Festival, das klassische Gegenwartsmusik in die Clubs bringt, im Jahre 2009 in die Wege geleitet.

 

 

Es war interessant zu beobachten, dass auf einem Gebiet, das oftmals als schwerfälligangesehen wird, es die innovativenKonzepte sind, die unglaublich an Dynamik gewonnen haben.

 

 

Es stand eine bereite Palette neuer Musik mit Live – und Video- Darbietungen zum Angebot. Die Entscheidung für die Auswahl, die laut Aussage von Dautermann (genannt im „Internationales Kunstmanagment“) “ein breites Spektrum an Repertoire und Ansätzen” darstellte, war aus rund 100 Bewerbungen von einer Jury getroffen worden, um Kontakte junger Künstlerzupotentiellen Managern von Künstlern, Moderatorenund Journalisten zu erleichtern. Nachdem ich mich auf Deutsch und Englisch mit Rebecca Schmidt, einer der Jurymitglieder und derzeit Berlin–Korrespondentin von ‘Musical America’ unterhalten hatte, war ich mir sicher, dass diese Auswahl sich in guten Händen befand.

 

 

Die Tatsache, dass die Zeitvorgaben für die Vorzeigeprojekte sich zeitweise mit anderen im Programm überschnitten machte es allerdings zuweilen schwierig, so viele zu besuchen, wie man wollte, was etwas enttäuschend war.

 

 

Foto: Seda Röder von Dana Tarr

 

 

 

 

Unter denjenigen, bei denen es mir gelang, sie zu erwischen und die ich mochte, waren die junge Pianistin und Komponistin (http://www.sedaroeder.com/) Seda Röder, die John Cage und eine ihrer eigenen Kompositionen spielte (ein Folgeartikel mit der Künstlerin ist vorgesehen); wie auch der Pianist und Komponist Moritz Eggert, (Foto von Mara Eggert), der mit noch mehr Cage in der AbschlussSession Eindruck machte und die Jahrhundertfeier des Meisters würdigte. Das junge Orchester Jakobsplatz München, dessen konzeptionelle Präsentation jüdischer Komponisten in einem “lebendigen” Kontext – im Gegensatz zu ihrem üblichen Schwerpunkt, dem Holocaust oder sogenannter “entarteter Kunst” – erschien mir alseine erfrischende Art, neue Musik und neues jüdisches Leben in Deutschland mit Begeisterung anzunehmen.

 

 

 

Foto: Erol Gurian-Orchester Jakobsplatz München

Eine breite Perspektive von Informationsflüssen wurde auch von teilnehmenden Institutionen geboten, wie den IAMIC (International Association of Music Information Centers), einem weltweiten Netzwerk von Organisationen, die Musik dokumentieren und fördern von dem ich noch nie zuvor gehört hatte.

 

 

Nicht zuletzt wurden bei Classical:NEXT einige der letzten Verbesserungen in der Tontechnik vorgestellt, wie auch viele neue Wege, Daten zu sammeln und Musikbibliotheken, die besonders auf das klassische Genre ausgerichtet sind, neu zu organisieren.

 

Hinter ‘MusiCHI’ verbirgt sichder ehemalige Wall Street IT Experte Phillippe Watel. (http://www.facebook.com/pages/MusiCHI-Suite-Music-software-organizer-jukebox-for-classical-and-jazz)

 

Noch nicht für Apple-Nutzer zur Verfügung stehend, bietet das innovative Software Paket Benutzern von PCs ein gigantisches Qualitäts- Archivierungs–System, das gesammelte Dateien (einschließlich selbst importierter CDs der eigenen Sammlung) in eine leicht abrufbare Sammlung mit überlegenen Anwendungsbereichenorganisiert– mit verschiedenen Kategorien und Abrufoptionen – als derzeit durch die iTunes-Bibliothek zur Verfügung steht. Als eineAlternative zu iTunes und für all diejenigen, die das spezifische Problem kennen, wie Regale voller CDs in ein Datei-Format zu überführen sind,das Sinn macht und in dem jede Datei leicht wieder gefunden werden kann (mit anderen Worten, für fast jeden gewissenshaften Klassik-Musik-Freak,der sich bemüht,mit dem Fortschritt in der Technik Schritt zu halten) – hat sich die Reise bereits gelohnt.

 

 

 

Foto: Jessica Duchen

Einepersönliche Belohnung für mich war es am Ende,sich mit meiner Lieblings-bloggerin zum Kaffee zu treffen, der unabhängigen Musikjournalistin und AutorinJessica Duchen, die als eine wichtige Pressestimme mitvortrug und ihre eigenen Eindrücke des Forums mit Ihnen in ihrem Blog teilt.http://jessicamusic.blogspot.com/2012/06/classicalnext-takes-wing-with-whoosh.html

 

 

Insgesamt hat Classical:NEXT den Weg geebnet, Beziehungen zu knüpfen und zu erneuern und, was die vielen verschiedenen Stimmen betrifft, die heute der klassischen Musikszene neue Einflüsse geben und sie mit reichlich Stoff zu Denkanstößen bestimmen, auf dem letzten Stand zu bleiben. Mein einziges Problem ist, dass ich nun jenen wunderbaren Butter-Bretzeln verfallenbin, einem Hauptnahrungsmittel dieser gastlichen bayrischen Küche.

 

 

Von Ilona Oltuski http://GetClassical.org