Diskurs im ‘Green Space’ von ‘New York Public Radio’s WQXR’, der ‘Classical Musik Station of NYC’: Salonen verdient ein größeres Echo

Die Gelegenheit, einem Live Rundfunkgespräch mit Esa-Pekka Salonen, dem international bekannten Komponisten/Dirigenten und Kuratoren des “Ungarischen Echos” Festivals am Lincoln Center “ (das vom 10. bis zum 27. März stattfindet) zuzuhören, hörte sich für mich wie ein wunderbares Vorhaben an. Dies war eine Vorstellung im ‘WQXR’s Green Space’ am Dienstag, dem 7. März. Ich hätte mir nur gewünscht, dass die energetische Moderatorin Nadja Sirota, eine treibende Kraft in der Neuen Musikszene, die Konversation auf ein höheres Niveau gebracht hätte. Sirota ist eine erfolgreiche Bratschistin, Julliard School Absolventin und ein Fakultätsmitglied am Fachbereich für Neue Musik an der Manhattan School, wie auch eine Auftrittskünstlerin und Interpretin der Neuen Musikszene – so mangelt es ihr weder an Know-how noch an Charisma, um ihr Fach in einen aussagekräftigen Diskurs einzubinden.

Nadja Serota

 Die Q2 Production im ‘Jerome L. Greene Performance Space’ bei der Radiostation WQXR, der einem kleinen Publikum die Gelegenheit bietet, den Prozess einer Rundfunkübertragung zu erleben, ist ein idealer Multi-Media Performance Aufführungsort, der die kulturelle Platform für New York und darüber hinaus sein könnte. Das wäre in diesem Fall sicher so gewesen, wenn man Salonen die Chance gegeben hätte, mehr zu sagen. Stattdessen war der derzeitige Leiter der britischen “Philharmonia”, dessen berufliche Laufbahn ihn, obwohl er jüngeren Alters ist, in die international anerkannte Spitzenliga der schillernden Dirigenten katapultiert, [einfach nur] da wobei ihm kaum die Gelegenheit gegeben wurde, seine Einsichten mit dem Publikum zu teilen.

Esa -Pekka Salonen

Er war unbestritten der interessanteste Gast, von dem man hören wollte, wie er neben Sirota saß, während der Pianist Conor Hanick auf dem Cembalo Ligeti spielte. Und dort blieb er auch still sitzen, während der Pianist Marino Formenti für Pierre-Laurent Aimard am Klavier mit einigen Bartók Stücken einsprang und während die Musiker der New York Philharmonic ein etwas missliches Potpourri verschiedener Sätze von Werken von den drei beim Festival vorgestellten Komponisten spielten: Bartók, Haydn und Ligeti. Auch wenn die Stücke, die Komponisten des Festivals repräsentierten, die Charakteristika von Ligeti auf dem Cembalo oder die gefühlvollen Klavierstücke von Bartóks “Ungarischen Tänzen” wenig mit dem Symphoniefestival gemein hatten und sicherlich nicht dabei halfen, die von Sirota aufgeworfene und an Salonen und den Pianisten Formenti gerichtete Frage zu beantworteten: “Was macht diese [Tänze] ungarisch?“ Die einzige Information, die ich von der Konversation, die durch den emotional geladenen aber ein bisschen chaotischen Formenti lebendiger wurde und an Schwung gewann, wirklich nach Hause, war die Tatsache, dass der ungarische Faden irgendwie im weiteren Sinne zu verstehen sei, da sich das ungarische geographische Territorium kontinuierlich mit den sich wandelden politischen Allianzen innerhalb des österreichisch-ungarischen Reiches änderte. Was als wirklich ungarisch betrachtet wurde, war kulturell oft in Zigeunermusik verwurzelt. Doch die Musik des in Ungarn geborenen Bartók, die von Haydn, der am Esterhazy Hofe in Ungarn gearbeitet hatte, und die von Ligeti, der aus einer jüdisch-ungarischen Familie aus Siebenbürgen stammte, bleibt faszinierend. Ihre Musik war für ihre Zeit höchst innovativ und stieß deshalb auf das Interesse von Salonen, einem wahrlich modernistischen Geist, das Festival zu kuratieren. Was den persönlichen Anteil Salonens bzgl. des Festivals betrifft, gab er eine wichtige Tatsache preis, nämlich, dass er sich in einem Lebensabschnitt befinde, wo er, was Aufführungen betrifft, freie Wahl hat. Zum Glück für uns, mag er offensichtlich Bartók, Haydn und Ligeti gerne. Dies wurde sogar noch deutlicher, als ich seine Bartók Probe mit der ‘New York Philharmonic’ am selben Morgen hörte. Er war dabei wirklich fantastisch. Fordernd, aber auch mit Hingabe handelte er mit den bereits ausgezeichneten und fähigen ‘Philharmonic’ Spielern verschiedene Nuancen aus, was die Tempi, die Dynamik und die Färbung angeht. Er stoppte sie und ließ sie beginnen, und stoppte sie sogar in der Mitte eines Taktes, wo sie sogleich flüssig weitermachten. Manchmal machte er das mit ein bisschen Humor: “Wir schafften es, die Trompeten zu begraben…[gleich] zweimal …”, manchmal mit Festigkeit, aber immer auf eine überzeugende Weise, darauf achtend, seinem Weg gerecht zu werden. Konzertmeister Glenn Dicterow saß mit seiner Violine zu seiner Linken, gegenüber von den Bratschen auf der rechten Seite des Dirigenten – ein relativ neues Sitzarrangement, womit Salonen und Alan Gilbert einverstanden sind (vergleiche mit meinem Konzertmeister Artikel: http://getclassical.blogspot.com/2011/02/first-fiddle-glenn-dicterow.html ) Die Atmosphäre blieb immer freundlich, aber es gab auch eine enorm gebündelte Konzentration im Orchester, als dieses den energetischen, modernen tanzähnlichen Sätzen des Finnen hörbar entsprach. Es war eine aufregende Weise, den einfallsreichen Themen von Bartók zuzuhören, die, wie sie uns über die Jahre hinweg immer vertrauter wurden, in Wirklichkeit viel weniger nach Konfrontation klangen. Er ist wirklich – wie Dicterow auf dem Weg zum Konzert bemerkte. nicht mehr so sehr “Avant-garde”. Wie wunderbar sein Konzert auch war, mein Eindruck war, dass was die ‘Green Space’ Konzerte betrifft, es besser gewesen wäre dem Motto “weniger ist mehr” zu entsprechen. Ich ging dorthin, um etwas über Salonens Persönlichkeit und seine Vision zu erfahren und darüber, wie diese sich auf die Werke bei seinem Festival bezieht. Die unglaublich wichtige Tatsache, dass er eng mit Ligeti zusammen gearbeitet hatte, bevor dieser im Jahre 2006 verstarb, wurde nur kurz erwähnt, aber nie weiter ausgeführt. Eine Welt von Einflüssen auf einen starken Komponisten hätte von der talentierten Auftrittskünstlerin und Radio-show-Gastgeberin, die als Champion Neuer hochkarätiger Musik bekannt ist, ans Licht gebracht werden können – also warum verzichtete Sirota darauf? [Schließlich] hatte sie dafür den Raum, die Zeit und den Mann direkt neben ihr. Salonen, der sich nach der Probe nicht einmal die Zeit nahm, sich umzuziehen, muss ähnlich empfunden haben, nachdem er sich die ganze Strecke bis zur 160 Varrick Street durch den Verkehr gekämpft hatte, selbst wenn er mit einer Limousine gekommen war.

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