Der Pianist Alon Goldstein – persŏnliche Vision kommt nie aus der Mode

“Es ist fünfzehn Jahre her, seitdem ich meine letzte offizielle Lektion von meinem geehrten Lehrer Leon Fleisher erhielt,” schrieb im Juli 2013 der israelische Pianist Alon Goldstein in einem Blog-Eintrag, welcher seinem legendären Mentor aus Anlass seines fünfundachtzigsten Geburtstages gewidmet war. „Ich erinnere mich daran, ihm nicht lange, nachdem ich mich etwas Neuem zugewandt hatte, zu sagen, dass es meine beste Entscheidung im Leben gewesen war, zu kommen und mit ihm zu studieren und meine Zweitbeste, ihn zu verlassen,“ und fügte später in einem persönlichen Interview hinzu, dass er wüsste, dass er gehen musste, bevor es zu gemütlich wurde. Klar, dass alle diese Kommentare mit Liebe und Bewunderung dargebracht wurden.

Fleisher, der leicht zu den faszinierendsten Erzählern unter den großen Musikern seiner Generation zählt, machte jüngst folgende Kommentare, als er zu seinem ehemaligen Schüler befragt wurde: “Alon, nun ist er wirklich fantastisch. Er ist einer der aufgeschlossensten Musiker, die ich jemals getroffen habe und er ist nicht – wie so viele andere  – von irgendetwas verblendet; er hat eine Vision und sein Spielen ist recht aufschlussreich, tief und bedeutungsvoll. Er hat auch eine warmherzige Persönlichkeit; uns verbinden so viele unvergessliche Momente.”

Goldstein erlebte die Kraft der kommunikativen Gabe des Maestros während seiner vier Jahre, die er mit ihm eng als Student und später als sein Assistent – einer begehrten Stelle am ‚Peabody Conservatory,’ die nur den hervorragendsten Studenten vorbehalten war – zusammenarbeitete. „Auch wenn Fleishers Unterricht nicht ausgiebige Demonstrationen am Klavier beinhaltete, da er seit vielen Jahren nicht mit seiner rechten Hand spielen konnte, machte er sich seine deskriptiven Fähigkeiten zu Nutzen,“ sagt Goldstein und erklärt, wie Fleishers immense persönliche Erfahrung , die in seiner außergewöhnlichen Klavierkarriere verwurzelt ist, seine Studenten inspirierte. Ihm gelang es, seine musikalischen Anweisungen zu geistigem Eigentum zu machen, das seinen Studenten dabei helfen sollte, ihre eigene Interpretationen am Klavier auszudrücken.

“Musiker sagen in der Regel, dass sich Musik nicht in Worten beschreiben lässt. Das glaubte auch ich, bis ich Fleisher sprechen hörte. Er war so klar, so beredt und so unglaublich genau…“ meint Goldstein, wenn er Fleishers Absicht beschreibt, seinen Studenten beizubringen, wie man sich selbst durch seine hochgradig assoziativen Instruktionen etwas beibringt.

Eine dieser Beschreibungen ist besonders bei ihm hängengeblieben: „Während einer unserer Unterrichtsstunden, als ich versuchte einen Bezugspunkt in einer Phrase zu finden, lange Linien zu kreieren und an Dynamik zu gewinnen usw. lehnte sich Fleisher langsam in seinem Sessel zurück, schloss seine Augen, erhob sanft seine Augenbrauen und sagte: „Musik besteht aus physischen Kräften. Jeder Ton, jede aufsteigende oder absteigende Linie, kreisförmiges Muster oder auch großer Sprung ist von physischen Kräften umgeben. Sie sind ein Magnet zwischen den Tönen. Das ist es, woraus Musik besteht. Diese physischen Kräfte zu verstehen, zu wissen, wie man sie nutzt, ergibt eine Interpretation, die nicht nur unwiderstehlich, sondern auch unvermeidlich ist,“ belehrte Fleisher. Diese unwiderstehliche Musikalität demonstriert der Altmeister auf seiner letzten, Grammy-nominierten Veröffentlichung von linkshändigen Repertoire ‚All the Things You Are’ (Bridge, 2014)

„Er hat Röntgen-Ohren,“ meint Goldstein über Fleisher, und weil er einen dazu veranlasst, alles zu analysieren, erlaubt einem dieses Bewusstsein, direkt zum Pulsschlag des Stückes vorzudringen und sein eigenes Musizieren herauszufordern, um seine fundamentale Wahrheit immer wieder aufs Neue zu finden,“ erinnert er sich an die inspirienden Jahre, zurück.

Selbst die mitreißendsten Lektionen bedürfen fruchtbaren Bodens, um Motivation anzuregen. Goldstein übernahm diese Tradition mit großer Dankbarkeit und setzte in seinem Unterricht und seiner internationalen Karriere als Konzertpianist und gelegentlich in seinen schriftlichen Veröffentlichungen und seinen Konzertgesprächen einen inspirierten, lebenslangen Dialog mit lebhaft artikulierter Musik fort, die ihm vermacht worden war.

Im Jahre 1997 ging es für Goldstein an Großbritanniens  ‚Guildhall Music School’, weiter, wo er ein Protagonist von vierhändig-gespielten Klavieraufführungen wurde und dabei half, ein Kammermusikfestival ins Leben zu rufen. Sein pianistisches Talent und seine kreativen Aufführungskonzepte führten zu einer Einladung der ‚Theo Lieven International Piano Foundation’ am Comer See als ihr Artist-In Residence. Während der Zeitspanne von zwei Spielzeiten hatte er das Privileg, an privaten Meisterklassen mit weltberühmten Musikern teilzuhaben.

Gemeinsame israelische Wurzeln und die Sommer, die er bei den Marlboro und Vermont Musikfestivals verbrachte, führten zu einer Zusammenarbeit mit dem ausgezeichneten Cellisten Amit Peled und dem Klarinettisten Alex Fiterstein. Das daraus entsprungene Goldstein-Peled-Fiterstein Trio wurde bei vielen Gelegenheiten für die Fähigheit seiner Mitglieder gelobt, genau diese ursprüngliche Kunstfertigkeit als Solisten mit ihrer großen Sensibilität und ihren kommunikativen Fähigkeiten als Kammermusiker auszubalancieren.

Bildnachweis: Britt Olsen-Ecker

Zusammen mit dem Violinisten Ilya Kahler bildeten Goldstein und Peled das Tempest Trio, dessen virtuosen Auftritte bereits mit dem legendärem ‚Million Dollar Trio’ verglichen wurden, welches aus Arthur Rubinstein, Gregor Piatigorsky und Jascha Heifetz bestand.

Die Europa Tournee des Tempest Trio im Jahre 2012.

 

Sowohl Goldsteins musikalische Integrität, als auch seine liebenswürdige Persönlichkeit hat ihm eine Vielzahl von Allianzen und Engagements als Auftrittskünstler, sowie Einladungen von hochangesehensten Musikfestivals, einschließlich beim Verbier und Ravinia Festival, zugetragen. Als Empfänger zahlreicher Stipendien und Preise, einschließlich dem zehnjährigen Stipendium der ‚America-Israel Cultural Foundation’ hat Goldstein immer daran gedacht, auch andere davon profitieren zu lassen. Seine Loyalität bei der Unterstützung junger israelischer Komponisten, was zu einem Auftrag und Aufführungen von Avner Dormans „Lost Souls“ Konzert führte, ist ebenso ein integraler Bestandteil dieser Verpflichtung wie seine Community-Outreach Bemühungen, mit welchen er „jedem die Chance einräumen möchte, von der Schönheit und Kraft klassischer Musik eingenommen zu werden, und zwar sowohl innerhalb, als auch außerhalb der Konzerthalle.

Gleichzeitig bleiben einige der prägenden Momente von Goldsteins Vergangenheit eine wesentliche Quelle der Verehrung und sind Teil seiner persönlichen musikalischen Stimme geworden: „Nicht vor allzu langer Zeit“ schreibt er, „inmitten der Probe von Mozarts Konzert für zwei Klaviere an meiner Almer Mata, dem ‚Peabody Conservatory of Music’ bei der Vorbereitung für einen Auftritt mit dem ‚Chicago Symphony Orchestra’ später in diesem Sommer, betrat Fleisher unerwarteterweise den Saal,“ was für Goldstein eine willkommene Gelegenheit war, des Meisters Gegenwart wieder zu erleben, und noch bewusster auf sein Spiel zu achten , „…wie diese physischen Kräfte langsam erwachten – trieben uns Zentrifrugalkräfte nach außen, als ein aufsteigender melodischer Lauf seine Richtung änderte. Eine zentripetale Kraft zog uns nach innen, als eine abfallende Linie sich plötzlich nach oben wandte. Kreisförmige Muster wie auch winkelige, Durchbrüche,  Sprünge tragen die Töne,  –  all das brachte Kräfte hervor, die Töne an sich banden, um eine musikalische Phrase zu werden.”

 

Maestro Leon Fleisher mit Alon Goldstein

 

“Es gab aber eine Kraft, die vom ersten Moment an bestand, von dem an die ersten Note des Stückes ertönte bis zu dem Punkt, an dem die letzte Note verschwand. Als die Melodie hoch emporstieg und dann wieder abtauchte bis sie schließlich fast wieder den Boden berührte und dabei Schleifen und Sprünge durchlief und uns auf eine Achterbahnfahrt mitnahm, war es eine Reise ohne Schwerkraft … und Fleisher kommentierte das so: „Man höre die Art und Weise, wie die langen Noten sich in ein Crescendo ergießen, nachdem sie angespielt werden, gefolgt von einem Diminuendo, bevor die nächste Note kommt. Jeder Physiker würde dies als unmöglich bezeichnen, aber wir Musiker sind keine Physiker, wir sind Illusionisten. Das ist ein vokales Spielen.”

Weitere Information über Alon Goldsteins verschiedene Konzertaktivitäten und CD- Veröffentlichungen findet man unter http://www.alongoldstein.com/. Sein Blog lässt sich unter der folgenden Webadresse finden http://blog.alongoldstein.com/.

 

 

Musik und Film – ‘Touching the Sound’

Von seiner Geburt an blind, gewährt der nun 23-jährige Nobu Einblick in seine inspirierende, heldenhafte Reise und außergewöhnliche Begabung am Piano und zeigt die Facetten seiner Identität als internationaler Auftrittskünstler und als kultureller Botschafter seiner Heimat Japan. Seine Aufrichtigkeit kommt ebenso in seiner Kunst zum Vorschein wie auch im Filmmaterial, das während verschiedener Konzerttourneen aufgenommen wurde und seine Freude und wissbegierige Begeisterung darstellt, unterschiedliche Orte, Leute und kulinarische Überraschungen zu erleben.

Im Equilibrium der Künste: Der Pianist Roman Rabinovich

Dunkelheit, und dann der evokative, fast schon abstrakte Klang eines Tongemäldes für Klavier und Cello. Eine Leinwand zeigt den weiten Blick auf die New Yorker Skyline bei Nacht, und Bild und Klang scheinen wie im Gespräch. Die Kamera sucht und findet einen jungen Maler, zeigt, wie er in seinen Entwürfen zu verschiedenen Selbstporträts nach künstlerischer [...]

Pianist Lily Maisky und Cellist Mischa Maisky – Musik in den Genen

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Mostly Martha: Das Progetto Martha Argerich in Lugano

“Martha muss geradezu auftreten; sie kann ohne Musik nicht leben”, sagt Piccardi, und fügt hinzu: ”Kammermusik ist ihr Lebenselixier.” Wer Argerich spielen sieht und hört, wie zum Beispiel im eleganten Grand Hotel Villa Castagnola, oder beobachtet, wie sie im Kreis junger Künstler auf ihren Auftritt wartet, weiss wovon Piccardi spricht. Und in all den Jahren ihrer langen Karriere hat sie nichts von ihrem meisterlichen Spiel verloren. Es ist immer noch eine wunderbare Erfahrung dabei zu sein, wenn sie ihr Piano mit Leib und Seele zum Erklingen bringt.

Adrienne Haan bahnt sich mit sprengender Energie und Lust am Freidenkertum den Weg zum Kabarett und zum amerikanischen Kunstlied

Während viele Mitglieder von Haans Zuhörerschaft mühelos ihrem für sie typischen, provokativen Charme und dem Reiz ihres blondes Fräulein-Aussehen erliegen, ist es ihr glühendes Engagagement, ein inniges Verständnis dieser Zwischen-Epoche zwischen dem ersten und zweiten Weltkrieg wachzurufen.

Der freudige Klang der Musik – Cellistin Ani Aznavoorian

Dies stimmte zumindestens bis Auerbachs neues Konzert namens Dreammusik, das für Camerata Pacifica und Ani Aznavoorian geschrieben wurde und am 7. März dieses Jahres am ‘Colburn School Zipper Auditorium’ in Los Angeles von Aznavoorian und Mitgliedern des renommierten Westküsten Kammermusik Ensembles uraufgeführt wurde.

Pianist/Komponist Michael Brown –leistet musikalisch Schützenhilfe

Michael wurde auch der erste Gast bei der Pilotvorstellung von den Gesprächen mit Nick Canellakis, einer Serie von satirisch angehauchten Interviews mit Musikern, die sich im allgemeinen auf besondere Eigenheiten oder letzte Neuigkeiten von den interviewten Künstlern konzentrieren. Michael wurde gleich in drei aufeinanderfolgenden Episoden zum Ehrengast und landete als Nicks rechte Hand auf eine Reihe von Unterhaltungs-Chats, deren Bekanntheitsgrad dadurch wuchs, viele bekannte Künstler anzuziehen, die bereit waren, von Nick in die Mangel genommen zu werden und gewillt, einer großen Zuschauerschaft auf YouTube ausgesetzt zu werden.

Gary Graffman – faszinierend bleiben durch neue Entdeckungen

In seiner Autobiografie Journey of a Thousand Miles: My Story beschreibt Lang Lang sehr detailliert, wie sich Graffmans praktische Anleitung als Mentor immer darauf richtete, die ganze Person anzusprechen und zu inspirieren, nicht nur den Pianisten in ihm selbst; eine Erfahrung, die er wahrhaftig schätzte und ihn fortan begleitete. Graffman förderte besonders Individualität bei seinen Studenten und vermied so die Fallstricke von Eintönigkeit im Klang und Manierismus, was das Ergebnis rigider Unterrichtsformen ist. In seinen Augen spielt jeder seiner Studenten auf einzigartige Weise, mit einem spezifischen Ausdruck, der als dessen eigener erkennbar ist.

Ursula Oppens – an die nächste Note denken

“Während der letzten wenigen Jahre, habe ich mehr Aufnahmen gemacht als erwartet,” meint Oppens, “es mag mit meinem Alter zu tun haben: Man denkt, dass man Stücke rekapitulieren muss, die man über eine lange Zeit hinweg gelernt hat und es gibt gewiss etwas, was dafür spricht, dass man Dinge zusammenfassen möchte.”