Kein Kinderspiel – Joey Alexander am Klavier

 Ab und zu werden wir einfach vom Hocker gerissen, vor allem dann, wenn wir es mit einem seltenen Ausnahmetalent wie dem erst 11-jährigen Jazz-Pianisten Joey Alexander zu tun haben. Für diesen Knirps scheinen die üblichen Regeln langjährig erworbener Meisterschaft einfach ausser Kraft gesetzt. Mit größter Selbstverständlichkeit setzt er sich ans Klavier und jammt mit den Besten seiner Zunft. Da kann man nur staunen und hoffen, dass das wunderbare Spiel des kleinen Künstlers nicht durch den Werbewirbel um ihn verdorben wird …

 

Jazz-Pianist Joey Alexander – sein vollständiger Name ist Josiah Alexander Sila – wurde vor 11 Jahren in Denpasar auf Bali geboren. Er ist einer der neuesten musikalischen Entdeckungen, und einer der wenigen jungen Künstler, dessen einzigartige künstlerische Fertigkeit, verblüffende Intuition und außergewöhnliche musikalische Reife ihn von vielen anderen ‘Wunderkindern’ unterscheidet.

 

Sein Debut-Album „My Favorite Things“, seit Mai dieses Jahres unter dem Montéma-Label auf dem Markt, hat bereits jetzt die Spitze der Charts erobert und ihn zu einer Ikone gemacht.

 

Neben bekannten Jazz-Standards von Coltrane und Monk bis hin zu Rodgers und Hammerstein stellt das Album auch eine von Joeys bemerkenswerten eigenen Kompositionen vor.  Von Grammy-Gewinner Jason Olaine produziert und in Zusammenarbeit mit Musikern wie den Bassisten Larry Grenadier und Russell Hall, den Schlagzeugern Ulysses Owens Jr. und Sammy Miller sowie Trompeter Alphonso Horne aufgenommen, beweisen die Aufnahmen, dass Joey mit den Besten seines Fachs jammen kann, und mehr noch: er spielt bereits jetzt in seiner eigenen Liga.

 

Garantiert wird er sich bei seiner Europa-Tournee diesen Sommer und Herbst ein neues Publikum erschließen; im November stehen auch Auftritte in Deutschland auf dem Programm.

 

Joeys letztjähriges Konzert-Debut, vom New Yorker Lincoln Center live übertragen, hatte zu einer ganzen Reihe von Einladungen geführt, und ihm neben Auftritten im öffentlichen Fernsehen auch Interviews mit Star-Moderatoren wie Christina Amnapour beschert.

Die Spuren begeisterter Reaktionen lassen sich von YouTube über Facebook zur Titelseite der New York Times nachverfolgen und demonstrieren einen seltenen Konsens zwischen Musikern, Kritikern und Zuhörern.

 

Ebenfalls im letzten Jahr war Joey mit seiner Familie aus Jakarta in die USA umgezogen; Joeys älterer und bereits verheirateter Bruder, der Joey kürzlich zum Onkel machte, blieb in Indonesien zurück, und die beiden sehen sich nur noch bei Joeys Besuchen in der Heimat.

 

Joey lächelt, wenn er von seinem kleinen Neffen spricht, dem er vielleicht eines Tages Klavierstunden geben wird; er gefällt sich in seiner neuen Rolle als Onkel. Trotz der Tatsache, dass er sich mit sieben Jahren für das Klavier entschied und ihm danach wenig Zeit für Kinderspiele blieb, hat sich Joey seine sonnige und warme Natur behalten.

 

Bei seiner ersten Begegnung mit den Grundlagen des Klaviers im Alter von sechs Jahren spielte er spontan die Melodien der Jazz-Standards nach, die er auf den CDs seines Vaters gehört hatte, und bereits in Jahr später jammte er mit grossem Erfolg mit den verschiedensten Musikern. Joey betont immer wieder die Bedeutung dieser CDs für seine Entwicklung, fast als wollte er sein frühes Interesse an Jazz erklären.

 

“Ich mag viele Arten von Musik, vor allem alles, was mit Jazz zu tun hat, wie zum Beispiel Gospel-Musik”, sagt er. “Im Internet und auf YouTube ist alles einfach zugänglich.” Die neuen Medien haben mit dazu beigetragen, Joeys Musik populär zu machen.

 

Von der Unterstützung durch seinen Vater, einem Amateurmusiker, abgesehen, hat sich Joey viel selbst beigebracht, und er fand nach einer relativ kurzen Ausbildung in klassischer Musik schon sehr bald seine Stimme in der Welt des Jazz.

Die UNESCO lud den gerade einmal Achtjährigen ein, im Rahmen von Herbie Hancocks Indonesien-Tournee für den Meister zu spielen; Hancocks Begeisterung für das Talent des Jungen verlieh Joeys Ambitionen Flügel.  Mit zehn dann trat er bei Jazz-Festivals in Jakarta und Kopenhagen auf, und gewann einen internationalen Kompositionswettbewerb in Odessa.

 

“In Jakarta habe ich angefangen ernsthaft zu üben und mit berühmten Musikern zu jammen”, erzählt er. Und das verschaffte ihm nicht nur sehr schnell eine Fangemeinde, sondern stärkte auch sein Selbstbewusstsein. Diese Fangemeinde, in der Musiker, Diplomaten und Leute aus dem Musikgeschäft eine nicht unerhebliche Rolle spielen, sorgte auch dafür, dass Joey ein US-Visum für besonders Begabte bekam. Auf Grund seines Alters gewährte das Sonderbegabtenvisum auch seiner Familie eine Aufenthaltsgenehmigung.

 

“Es gibt keine andere Stadt wie New York”, meint Joey und ist mächtig stolz darauf, Teil der einmaligen New Yorker Musikszene zu sein.

 

 

Hier hat er alles, was er braucht, um sich voll zu entwickeln, und das schliesst Kontakte mit berühmten Musikern ein.

Ebenfalls Teil seines New Yorker Lebens ist auch die Betreuung durch Public Relations-Spezialisten, die u.a. bei Interviews dabei sind, und von Managern, die seinen Tagesablauf bis ins Detail durchplanen.

 

Aber er hat auch Zeit für Entspannung: „Ich spiele gern Videogames, sehe mir viele Filme an und treibe gern Sport“, sagt er. Am liebsten schwimmt er und spielt Tennis.

Und er interessiert sich für den Aufbau seines public image, und das mit unerwartetem Geschäftssinn.

Der Kontakt zu Gleichaltrigen ist eher spärlich, und seine schulische Ausbildung findet mit Hilfe eines Internet-Programms statt.

 

“Unter den Musikern, mit denen ich auftrete, finde ich ständig neue Freunde“, sagt er ohne den geringsten Selbstzweifel.

 

Es mag seinem starken und ausgesprochen unabhängigen Charakter entsprechen, sich im Kreis ausgereifter Künstler musikalisch zu behaupten, doch fragt es sich auch, auf welche Weise Joeys Erfahrungen in der Welt der Erwachsenen letztendlich seine persönliche Entwicklung beeinflusssen werden.

 

Und während seine eher leise Mutter noch unsicher ist, ob sie sich mit ihrem Sohn für diesen Artikel fotografieren lassen soll, reagiert er wie ein gestandener Profi und entscheidet für seine Mutter: „Vielleicht ein andermal.“

 

Diese Art von Selbstbewußtsein drückt sich natürlich auch in seiner Musik aus. Trotz seines Alters hat er sein Ziel genau vor Augen: die Entwicklung einer eigenen und sehr persönlichen Stimme. Und diesem Ziel folgt er mit  höchstmöglicher Konzentration und Detailgenauigkeit.

 

„Es ist wichtig zu üben, um für einen Auftritt total vorbereitet zu sein“, sagt er, „aber dann auf der Bühne muss man frei sein. Und einen kühlen Kopf muss man behalten und den Moment geniessen, und wirklich Teil der Musik werden.“

Genau an diesem Punkt fühlt er sich wohl und zu Hause, und selbst gelegentliches Lampenfieber kann ihm wenig anhaben.

 

Für seine kleinen Hände wurde eine Methode entwickelt, die es ihm erlaubt, sich ohne jede Einschränkung musikalisch auszudrücken, und das tut er dann auch, mit Imagination und Feingefühl, auf verschiedenste Weise was Stil und Rhythmus angeht, und dank eines erstaunlichen Gehörs für Form und Struktur, in den unterschiedlichsten Sprachen der Harmonielehre.

 

“Er wird mir den Job wegnehmen“, orakelt Herbie Hancock, und Jazzgrössen wie Wynton Marsalis, künstlerischer Direktor von `Jazz at Lincoln Center´ lud ihn 2014  ein, bei einer Gala für die Jazz Foundation of America aufzutreten, wo Joey prompt mit seiner Interpretation von Monks “Round Midnight” glänzte. Zu seinen zahlreichen Fans zählen auch Prominente wie Bill Clinton und Billy Crystal, und natürlich die Studenten der Juilliard-Musikakademie in New York, die sich, wie viele andere, für Joeys US-Visa eingesetzt hatten.

 

Nate Chinen schrieb in der New York Times, dass Jason Olaine, der Producer von Joeys Debut-Album und Jazz at Lincoln Center´- Programmdirektor, sehr daran interessiert sei, Joeys Rolle als musikalischer Botschafter zu entwickeln und ihn in pädagogische Outreach-Projekte zu integrieren, damit er vor Kindern seiner Altersgruppe spielen könne. Sagt Olaine: ”Er könnte junge Menschen für Jazz gewinnen.“

 

Doch Joey erwähnte weniger etwaige Schulbesuche, sondern sprach von seinem neuen Trio mit Schlagzeuger Sammy Miller und Bassist Russell Hall, die auch auf seinem Album zu hören sind.

 

Teil dieses Albums ist seine Komposition “Ma Blues”, die er im Alter von 10 Jahren komponiert hatte. Das Stück zeigt eine Reife, die weit über Joeys Alter und das, was wir von sogenannten Wunderkindern gewöhnt sind, hinausgeht.

 

Wir werden noch viel von diesem jungen Ausnahmekünstler hören.

Sir Andràs Schiff: Brückenbauer für die Pianisten der Zukunft

“Die Komponisten der Klassik geben einem viel Freiheit, die muss man wahrnehmen und dazu gehört auch viel Mut; da steht nicht alles in den Noten. Mich selbst nennt man oft altmodisch; zum Beispiel wenn ich beide Hände mit kleinen zeitlichen Verschiebungen voneinander benutze. Ich mache das sehr häufig, ich empfinde es einfach stilistisch korrekt und angenehm, während die meisten Pianisten beide Hände völlig akurat synchronisiert spielen. Aber dies ist eine Tradition, sich Freiheiten einzubauen, die selbst bis hin zu Bartòk bekannt ist; er selbst spielte Akkorde arpeggiert, obwohl sie als ein Akkord notiert waren – und man kann ja wohl nicht behaupten, er hätte nicht gewusst wie er seine Musik zu spielen hätte.“

Klassisches Rollenspiel: Der Pianist Inon Barnatan

Vor allem Nachwuchskünstlern bietet dieser Ansatz ein Kontinuum an gesicherten Auftrittsmöglichkeiten, was wiederum eine grössere Publikumsnähe entstehen lässt; zudem ermöglicht kontinuierliches Arbeiten dem Künstler, mit einem breiteren Spektrum an musikalischem Können risikofreudiger umzugehen.

Der Pianist Alon Goldstein – persŏnliche Vision kommt nie aus der Mode

„Er hat Röntgen-Ohren,“ meint Goldstein über Fleisher, und weil er einen dazu veranlasst, alles zu analysieren, erlaubt einem dieses Bewusstsein, direkt zum Pulsschlag des Stückes vorzudringen und sein eigenes Musizieren herauszufordern, um seine fundamentale Wahrheit immer wieder aufs Neue zu finden,“ erinnert er sich an die inspirienden Jahre, zurück.

Musik und Film – ‘Touching the Sound’

Von seiner Geburt an blind, gewährt der nun 23-jährige Nobu Einblick in seine inspirierende, heldenhafte Reise und außergewöhnliche Begabung am Piano und zeigt die Facetten seiner Identität als internationaler Auftrittskünstler und als kultureller Botschafter seiner Heimat Japan. Seine Aufrichtigkeit kommt ebenso in seiner Kunst zum Vorschein wie auch im Filmmaterial, das während verschiedener Konzerttourneen aufgenommen wurde und seine Freude und wissbegierige Begeisterung darstellt, unterschiedliche Orte, Leute und kulinarische Überraschungen zu erleben.

Im Equilibrium der Künste: Der Pianist Roman Rabinovich

Dunkelheit, und dann der evokative, fast schon abstrakte Klang eines Tongemäldes für Klavier und Cello. Eine Leinwand zeigt den weiten Blick auf die New Yorker Skyline bei Nacht, und Bild und Klang scheinen wie im Gespräch. Die Kamera sucht und findet einen jungen Maler, zeigt, wie er in seinen Entwürfen zu verschiedenen Selbstporträts nach künstlerischer [...]

Pianist Lily Maisky und Cellist Mischa Maisky – Musik in den Genen

“Als Kind war ich nicht die eifrigste Klavierschülerin; ich fand immer Mittel und Wege, die täglichen Stunden beim Klavierspiel abzukürzen. Oft habe ich ein Buch gelesen und nur so getan, als ob ich aufpasste; dabei habe ich mit nur einer Hand gespielt”, gesteht sie.

Mostly Martha: Das Progetto Martha Argerich in Lugano

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Adrienne Haan bahnt sich mit sprengender Energie und Lust am Freidenkertum den Weg zum Kabarett und zum amerikanischen Kunstlied

Während viele Mitglieder von Haans Zuhörerschaft mühelos ihrem für sie typischen, provokativen Charme und dem Reiz ihres blondes Fräulein-Aussehen erliegen, ist es ihr glühendes Engagagement, ein inniges Verständnis dieser Zwischen-Epoche zwischen dem ersten und zweiten Weltkrieg wachzurufen.

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Dies stimmte zumindestens bis Auerbachs neues Konzert namens Dreammusik, das für Camerata Pacifica und Ani Aznavoorian geschrieben wurde und am 7. März dieses Jahres am ‘Colburn School Zipper Auditorium’ in Los Angeles von Aznavoorian und Mitgliedern des renommierten Westküsten Kammermusik Ensembles uraufgeführt wurde.